Die Hardmeier-Häuser beim Lochergut
- Alexander Lekkas
- 31. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 7 Tagen

Wer kennt sie nicht, die schloss- und burgähnlichen Häuser beim Lochergut? Und wer genau hinschaut, erkennt oben auf dem Haus an der Bertastrasse 1 einen steinernen, rund zwei Meter grossen Adler. Majestätisch thront er auf dem Treppengiebel, unberührt vom Treiben der Menschen unter ihm. Als traditionelle Wächterfigur passt er treffend zum burghaften Charakter der historistischen Gebäudefassade.
Das aus romanischen Stilelementen bestehende Haus an der Bertastrasse 1 wurde 1910 erbaut. Es ist Teil des spitzwinkligen, fünfgeschossigen Wohn- und Gewerbekomplexes, welcher der Architekt Robert Hardmeier (1874-1958) ab 1908 errichten liess, nachdem er das Grundstück auf der «grossen Wiese am Schrägweg» erworben hatte. Zur eindrücklichen Blockrandbebauung gehören neben der Bertastrasse 1 auch die Häuser an der Bertastrasse 3, 5 und 11 sowie diejenigen an der Sihlfeldstrasse 53, 55, 57 und 63.

Ihr Bau fiel in eine Zeit, als Wiedikon in der Folge der 1893 erfolgten Eingemeindung von einem regelrechten Bauboom erfasst wurde. Unter all den damals erstellten Gebäuden stechen die seit 1986 im Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte figurierenden Hardmeier-Häuser besonders hervor. Die Fassaden sind geschmückt mit Girlanden, Kränzen, Pilastern und Mäanderreliefs. Hardmeier, der zugleich auch Bauherr der Häuser war, orientierte sich am Barock, der Romanik, Gotik und am Jugendstil. Er kombinierte diese Stilformen mit pseudo-ägyptischen und antikisierenden römischen Elementen und schuf dadurch eine für Zürich originelle und einzigartige Fassadengestaltung. «Die üppig ornamentierte Fassadengestaltung dieser Hofrandbebauung nimmt exotische und historische Motive auf. Sie ist von speziellem Wert als ‘unzürcherische’ Besonderheit; im Quartier bildet sie einen unverwechselbaren Akzent», wie die Denkmalpflege der Stadt Zürich schreibt.
Das «Pyramidenhaus» mit Obelisken und Löwenköpfen an der Sihlfeldstrasse 57 in einer Aufnahme von 1947 (Fotograf unbekannt, Quelle: BAZ) und einer von 2026
In den 1990er-Jahren wurden einige der Fassaden restauriert. Nicht zuletzt hatte ihnen der Durchgangsverkehr auf der damals stark befahrenen Sihlfeldstrasse enorm zugesetzt. Aus dem Restaurierungsbericht sind interessante Details zur Materialisierung der Fassaden zu entnehmen. So wird etwa darauf hingewiesen, dass die Granitfassade der Sihlfeldstrasse 57 und der Pyramidengiebel Bezug nehmen auf die ebenfalls in Granit gearbeitete, orientalisch anmutende Fassade der Bertrastrasse 5. Oder wir erfahren, dass die Fassaden der Gebäude an der Bertastrasse 3 und 11 in Sandstein gearbeitet sind und ihre zahlreichen Schmuckornamente ursprünglich Vergoldungen aufwiesen, welche mit der Zeit abhandengekommen sind.
Antikisierender Fassadenschmuck und Balkone des Hauses an der Bertastrasse 3, aufgenommen 2004 (Fotograf Thomas Hussel, Quelle BAZ) und 2026

Offensichtlich wurden für die Errichtung der Häuser keine Kosten gescheut. Neben der aufwendigen Fassadengestaltung hatten zudem neuartige Doppelverglasungen und Badezimmer in den Wohnungen die Baukosten derart in die Höhe getrieben, dass in finanzieller Hinsicht die Rechnung für Hardmeier nicht mehr aufging. Auch für die kreditgebende Leih- und Sparkasse Steckborn hatte sich das Geschäft nicht gelohnt. Als wichtiger Grund für ihren 1918 erlittenen Konkurs werden in der Literatur oftmals die horrenden Bausummen der Hardmeier-Häuser genannt.
Übrigens: Wer sich auf die Rückseite der Gebäude begibt, sieht einen grosszügigen Innenhof und Fassaden, die in keiner Weise die opulenten Frontfassaden verraten würden. Und erstaunlich ist auch der Umstand, dass die Überbauung bis 1918 zeitweise leer stand. Angesichts der heutigen Nachfrage nach Wohnraum an dieser Lage ist auch dies vor allem eines: kaum zu glauben.
Text: Alexander Lekkas
Farbbilder: Andreas Schenzle
Schwarzweiss-Bilder: BAZ























