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Was soll aus unserem Friedhof Sihlfeld werden? [1]

Andreas Schenzle
vor 15 Stunden
3 Min. Lesezeit

­Das Projekt «Zukunft Zürcher Fried­höfe», das zunächst als Par­ti­zi­pa­ti­ons­­pro­zess gedacht ist, hat schon im Mai 2026 begonnen und befindet sich der­zeit in der so­ge­nann­ten Infor­ma­tions­phase. Ein wichtiger Grund für das Projekt ist, dass immer weniger Fläche für Be­stat­tun­gen benötigt wird und somit entschieden werden muss, was mit den über­schüs­sigen Flächen ge­schieht. Von den 129 Hektar Fläche der 19 städ­ti­schen Fried­höfe werden 80 Hektar nicht mehr für Grä­ber ge­nutzt, mit steigender Tendenz. Das ent­spricht immerhin 112 Fuss­ball­fel­dern. An­der­er­seits machen die Fried­höfe nur knapp 1.5% der ge­sam­ten Stadt­fläche aus.

Friedhöfe sind schon lange nicht mehr nur Orte für Bestattungen und Trauer. Der Fried­hof Sihlfeld ist mit einer Flä­che von knapp 29 Hektar der grösste der Stadt. Bereits im Jahr 1958 begann die Stadt damit, den Friedhof schritt­weise in öffentliche Grünflächen umzu­wandeln. So wurde er zum gröss­ten Park Zürichs und steht der Be­völ­ker­ung als Ort der Ruhe und stillen Er­holung offen. Als Öko­system fördert er die Biodiversität und wirkt sich ausgleichend auf das Stadtklima aus. Schliesslich ist er auch Teil des kul­tu­rel­len Erbes, das wir schützen und fördern müssen.

Das Ziel des Projekts ist es, Friedhöfe für die Zukunft konzeptionell neu auf­zu­stellen. So heisst es auf der Webseite des Projekts: «Wie können Friedhöfe weiterentwickelt werden, ohne ihren Charakter zu verlieren? Welche Rolle sollen sie künftig im städtischen Alltag über­nehmen?»

Katasterbild des Friedhofs Sihlfeld: rot steht für intensiv genutzte Gräberfelder, orange für teilweise genutzte Felder; grün bedeutet Parkfläche ohne Gräber
Katasterbild des Friedhofs Sihlfeld: rot steht für intensiv genutzte Gräberfelder, orange für teilweise genutzte Felder; grün bedeutet Parkfläche ohne Gräber

Ich habe nur zufällig von diesem Pro­jekt erfahren. Vor einer guten Wo­che fragte das Vor­stands­mitglied des Quartiervereins, Matthias Gruic, in die Runde, wer für ihn zum Auftakt-Workshop ins Krematorium Nordheim am 19. September gehen möchte. Ich sprang spon­tan ein, weil ich neugierig auf die verschiedenen Meinungen war.

Eingeladen waren sogenannte «Stakeholder». Neben Vertretern der Stadt (u.a. Grün Stadt Zürich, Friedhof Forum) waren Vertreter der Kirchen, anderer Religionen oder ethischer Aus­richtungen, der Stiftung Pro Senectute Kanton Zürich, der Stiftung Pompos, verschiedener Naturschutzverbände, verschiedener Quartiervereine, des Vereins Offene Jugendarbeit Zürich, des Vereins Werde Erde, Züri Rännt und anderer Organisationen anwesend.

Stadtpräsident Raphael Golta eröffnete die Veranstaltung mit seiner Be­grüs­sung. Zunächst fragte er, ob jemand keinen Dialekt versteht. Da es keine Einwände gab, legte er auch fest, dass im Workshop alle sich duzen. Die Moderation lag in den Händen der Firma «Frischer Wind». Britta von Wurstemberger hielt die Einführung auf Hochdeutsch, versicherte aber, dass sie Dialekt gut verstünde.

Raphael Golta begrüsst die Teilnehmenden des Auftakt-Workshop
Raphael Golta begrüsst die Teilnehmenden des Auftakt-Workshop

Dann stellte der Gesamtprojektleiter, Pascal Ziesack, das Projekt vor. Er holte dabei weit aus, und erklärte den ge­schicht­li­chen Hintergrund der Zürcher Friedhöfe (mit dem Friedhof Sihlfeld als Beispiel), deren üblichen Lebenszyklus (ja, auch Friedhöfe können sterben – siehe die Fritschiwiese oder den St. Annahof), den schon oben genannten Status quo, die Zielsetzung des Projekts und endete mit einer Folie mit dem Text «Morgen – Entwicklung unserer Friedhöfe». Auf der Folie war eine Parkanlage abgebildet, die neben einem Fuss­gänger­weg und Sitz­mög­lich­keiten auch einen Fahrradweg und Menschen beim Feder­ball­spielen zeigte. «Fritschiwiese» kam mir spontan in den Sinn.

Zufällig sass ich beim ersten Dialog direkt neben Pascal Ziesack. Mit dem Spruch «Die Fried­höfe sollen Friedhöfe bleiben» stellte er sich unserer Arbeits­gruppe vor. «Das hört sich doch gut an», dachte ich, und nickte ihm wohlwollend zu. Das Thema war eine gemeinsame Stand­­ort­bestimmung, bei der nichts Wesentliches Neues heraus­kam, was nicht schon in der Prä­sentation erwähnt wurde.

«Die Friedhöfe sollen Friedhöfe bleiben» Pascal Ziesack (Gesamtprojektleiter Zukunft Zürcher Friedhöfe)

Die Bemerkung von Kapar Schatzmann von der Stiftung Pompos, er finde den Friedhof Üet­li­berg stets menschenleer vor, liess mich jedoch nachdenklich werden. Betrachtet man die Verteilung der Friedhöfe auf Folie 20 der Prä­sen­ta­ti­on, so wird schnell deutlich, dass der Fried­hof Sihlfeld aufgrund seiner Grösse und zentralen Lage eine Sonderrolle einnimmt. Es ist daher nicht überraschend, dass ausgerechnet hier Konflikte entstehen. Gerade in dieser belebten Nachbarschaft ist eine "Insel der Ruhe" notwendig. Alle anderen städtischen Fried­höfe liegen entweder am Stadtrand bzw. in Aussenquartieren, wo es genügend ruhige Orte gibt.

Während der Kaffeepause stellte ich mich Raphael Golta als Vertreter des Quartiervereins Wiedikon vor. Sofort spürte ich eine gewisse Anspannung, weshalb ich es bei einem kurzen, freund­lichen Intermezzo beliess. Umso gespannter war ich auf seinen Vortrag.

Die Fortsetzung des Berichts wird in der nächsten Woche veröffentlicht.

Text: Andreas Schenzle

Foto: Andreas Schenzle

Bilder: Stadt Zürich

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