Was soll aus unserem Friedhof Sihlfeld werden? [1]
Das Projekt «Zukunft Zürcher Friedhöfe», das zunächst als Partizipationsprozess gedacht ist, hat schon im Mai 2026 begonnen und befindet sich derzeit in der sogenannten Informationsphase. Ein wichtiger Grund für das Projekt ist, dass immer weniger Fläche für Bestattungen benötigt wird und somit entschieden werden muss, was mit den überschüssigen Flächen geschieht. Von den 129 Hektar Fläche der 19 städtischen Friedhöfe werden 80 Hektar nicht mehr für Gräber genutzt, mit steigender Tendenz. Das entspricht immerhin 112 Fussballfeldern. Andererseits machen die Friedhöfe nur knapp 1.5% der gesamten Stadtfläche aus.

Friedhöfe sind schon lange nicht mehr nur Orte für Bestattungen und Trauer. Der Friedhof Sihlfeld ist mit einer Fläche von knapp 29 Hektar der grösste der Stadt. Bereits im Jahr 1958 begann die Stadt damit, den Friedhof schrittweise in öffentliche Grünflächen umzuwandeln. So wurde er zum grössten Park Zürichs und steht der Bevölkerung als Ort der Ruhe und stillen Erholung offen. Als Ökosystem fördert er die Biodiversität und wirkt sich ausgleichend auf das Stadtklima aus. Schliesslich ist er auch Teil des kulturellen Erbes, das wir schützen und fördern müssen.
Das Ziel des Projekts ist es, Friedhöfe für die Zukunft konzeptionell neu aufzustellen. So heisst es auf der Webseite des Projekts: «Wie können Friedhöfe weiterentwickelt werden, ohne ihren Charakter zu verlieren? Welche Rolle sollen sie künftig im städtischen Alltag übernehmen?»

Ich habe nur zufällig von diesem Projekt erfahren. Vor einer guten Woche fragte das Vorstandsmitglied des Quartiervereins, Matthias Gruic, in die Runde, wer für ihn zum Auftakt-Workshop ins Krematorium Nordheim am 19. September gehen möchte. Ich sprang spontan ein, weil ich neugierig auf die verschiedenen Meinungen war.
Eingeladen waren sogenannte «Stakeholder». Neben Vertretern der Stadt (u.a. Grün Stadt Zürich, Friedhof Forum) waren Vertreter der Kirchen, anderer Religionen oder ethischer Ausrichtungen, der Stiftung Pro Senectute Kanton Zürich, der Stiftung Pompos, verschiedener Naturschutzverbände, verschiedener Quartiervereine, des Vereins Offene Jugendarbeit Zürich, des Vereins Werde Erde, Züri Rännt und anderer Organisationen anwesend.
Stadtpräsident Raphael Golta eröffnete die Veranstaltung mit seiner Begrüssung. Zunächst fragte er, ob jemand keinen Dialekt versteht. Da es keine Einwände gab, legte er auch fest, dass im Workshop alle sich duzen. Die Moderation lag in den Händen der Firma «Frischer Wind». Britta von Wurstemberger hielt die Einführung auf Hochdeutsch, versicherte aber, dass sie Dialekt gut verstünde.

Dann stellte der Gesamtprojektleiter, Pascal Ziesack, das Projekt vor. Er holte dabei weit aus, und erklärte den geschichtlichen Hintergrund der Zürcher Friedhöfe (mit dem Friedhof Sihlfeld als Beispiel), deren üblichen Lebenszyklus (ja, auch Friedhöfe können sterben – siehe die Fritschiwiese oder den St. Annahof), den schon oben genannten Status quo, die Zielsetzung des Projekts und endete mit einer Folie mit dem Text «Morgen – Entwicklung unserer Friedhöfe». Auf der Folie war eine Parkanlage abgebildet, die neben einem Fussgängerweg und Sitzmöglichkeiten auch einen Fahrradweg und Menschen beim Federballspielen zeigte. «Fritschiwiese» kam mir spontan in den Sinn.

Zufällig sass ich beim ersten Dialog direkt neben Pascal Ziesack. Mit dem Spruch «Die Friedhöfe sollen Friedhöfe bleiben» stellte er sich unserer Arbeitsgruppe vor. «Das hört sich doch gut an», dachte ich, und nickte ihm wohlwollend zu. Das Thema war eine gemeinsame Standortbestimmung, bei der nichts Wesentliches Neues herauskam, was nicht schon in der Präsentation erwähnt wurde.
«Die Friedhöfe sollen Friedhöfe bleiben» Pascal Ziesack (Gesamtprojektleiter Zukunft Zürcher Friedhöfe)
Die Bemerkung von Kapar Schatzmann von der Stiftung Pompos, er finde den Friedhof Üetliberg stets menschenleer vor, liess mich jedoch nachdenklich werden. Betrachtet man die Verteilung der Friedhöfe auf Folie 20 der Präsentation, so wird schnell deutlich, dass der Friedhof Sihlfeld aufgrund seiner Grösse und zentralen Lage eine Sonderrolle einnimmt. Es ist daher nicht überraschend, dass ausgerechnet hier Konflikte entstehen. Gerade in dieser belebten Nachbarschaft ist eine "Insel der Ruhe" notwendig. Alle anderen städtischen Friedhöfe liegen entweder am Stadtrand bzw. in Aussenquartieren, wo es genügend ruhige Orte gibt.

Während der Kaffeepause stellte ich mich Raphael Golta als Vertreter des Quartiervereins Wiedikon vor. Sofort spürte ich eine gewisse Anspannung, weshalb ich es bei einem kurzen, freundlichen Intermezzo beliess. Umso gespannter war ich auf seinen Vortrag.
Die Fortsetzung des Berichts wird in der nächsten Woche veröffentlicht.
Text: Andreas Schenzle
Foto: Andreas Schenzle
Bilder: Stadt Zürich



