TC Hakoah Zürich – der grösste jüdische Sportclub der Schweiz
- Andreas Schenzle
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 11 Stunden
In Wiedikon leben etwa 2'000 jüdische Menschen, also nur etwa 4% der Quartierbevölkerung. Trotz ihrer geringen Zahl ist die Bevölkerungsgruppe sehr vielfältig. Das Spektrum deckt alles von weltlich-atheistischen bis zu traditionell-orthodoxen Vertretern ab. Über Letztere hatten wir erst kürzlich im Zusammenhang mit dem Eruv berichtet. Diesmal bleiben wir in der nicht-religiösen Welt und stellen den jüdischen Tennisclub Hakoah Zürich in Wiedikon vor.

Philipp Uschatz hat sich für den Quartierverein die Zeit genommen, mehr über sich und den Club zu erzählen. Seit Anfang Jahr ist er Co-Präsident des Clubs, aber schon seit 1984 ist er und seine Familie Mitglied. Auch seine beiden Kinder spielen sehr gerne Tennis, und sein Sohn wurde mit 12 Jahren sogar Schweizer Juniorenmeister. Nach erfolgreicher Manager-Karriere hat sich Philipp Uschatz entschieden, einen Teil seiner Zeit nun ehrenamtlich dem Tennisclub und damit der Gesellschaft insgesamt zur Verfügung zu stellen. Der Dialog mit kulturellem Austausch und das friedliche gesellschaftliche Zusammenleben zwischen der jüdischen und nicht-jüdischen Bevölkerung sind für ihn eine Herzensangelegenheit.
Er liefert spannende Informationen zur Entstehungsgeschichte des Clubs: Schweizweit gibt es neben dem in Wiedikon nur noch zwei andere jüdische Tennisclubs, je einen in Basel und Genf. Beide Clubs nennen sich auch Hakoah, was übersetzt Kraft bedeutet. Alle drei wurden gegründet, weil es während des 2. Weltkriegs der jüdischen Bevölkerung leider häufig nicht erlaubt war, schweizerischen Sportvereinen oder Clubs beizutreten. Eine Tennis begeisterte jüdische Gruppe gründete 1942 den Vorläufer von Hakoah Zürich in Uitikon. 1952 zog der Club dann an den heutigen Standort mitten im ruhigen Wohngebiet von Wiedikon.
«Der Club ist offen für alle Menschen ausser natürlich für Antisemiten. Bisher mussten wir zum Glück noch niemanden abweisen»
Phillip Uschatz

Das Grundstück ist von der Stadt gepachtet. Lange Zeit teilte man sich das Gelände mit den zwei anderen Tennisclubs UTO und Bachtobel. In der Zwischenzeit hat sich der TC UTO aufgelöst, während der TC Bachtobel ein neues Gelände oberhalb vom Kolbenhof bezog. Grund hierfür war unter anderem auch die notwendige Reduzierung der ursprünglich neun Tennisplätze wegen der Erweiterung des städtischen Schulhauses Bachtobel (2002-2004). Die verbliebenden fünf Sandplätze stehen dem TC Hakoah nun alleine zur Verfügung.

Vor über 10 Jahren hat der Club begonnen, sich für nicht-jüdische Tennisspielerinnen und -spieler schrittweise zu öffnen.
Die volle Mitgliedschaft wurde ihnen schliesslich vor ca. fünf Jahren gewährt, womit der uneingeschränkte Öffnungsprozess des Clubs abgeschlossen war. Von den derzeit 420 Mitgliedern sind rund 200 Kinder. Philipp Uschatz betont, dass der Club sehr kinderfreundlich ist und ein umfassendes Trainingsangebot für sie hat.
Von den 200 erwachsenen Mitgliedern sind 120 aktiv, und viele der jüdischen Mitglieder sind nicht religiös-praktizierend. «Der Club ist offen für alle Menschen ausser natürlich für Antisemiten. Bisher mussten wir zum Glück noch niemanden abweisen», meint er zufrieden. Wir sind weiterhin interessiert an neuen Mitgliedern. Es gibt tagsüber aktuell auch noch freie Platzzeiten für spontane Gäste.

Philipp Uschatz nimmt sich auch ausführlichst Zeit, mich durch die Tennisanlage zu führen, und mir die anwesenden Personen vorzustellen. So lerne ich u.a. die Trainerin mit WTA-Profivergangenheit, Andrea Noszaly, und ihren Trainerkollegen, David Petö, kennen. Bruno Schwartz ist die gute Seele und Ansprechperson im Clubhaus und auf der Anlage. Eine Übersicht über die Personen im Vorstand und Stab findet sich auf der Club-Homepage. Die Co-Präsidentin Daliah Luks Dubno ist auch erst seit Januar im Amt.
Das Clubhaus mit Bistro und idyllischer Terrasse, das auch für Anlässe gemietet werden kann, bietet neben Getränken und Glacé auch einfache vegetarische Mahlzeiten – ein religionsbedingter Kompromiss. «Koscher ist zu umständlich», so heisst es.
«Koscher ist zu umständlich»
Bruno Schwartz

Das Clubhaus selbst sollte wieder einmal renoviert und die Sandplätze auf Allwettersandplätze umgerüstet werden, wozu Sponsoren und Spender benötigt werden. Liest man die Liste der Gönner und Spender für die letzte Renovierung (u.a. Vertreter der Guggenheim-Stiftung, Gabi und Werner Merzbacher und sogar Roger Schawinski), sollte die Finanzierung der geplanten Vorhaben kein Problem darstellen.
Der Quartierverein bedankt sich herzlich bei Philipp Uschatz für die gezeigte Gastfreundschaft und die sehr interessanten Hintergründe über den TC Hakoah Zürich und freut sich, dass dieser Vereinsmitglied geworden ist.

Text und Bilder von Andreas Schenzle



