Ein Ort für Vinylliebhaber
- Quartierverein Wiedikon

- vor 2 Stunden
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An der Kalkbreitestrasse 121 befindet sich seit 2025 der Plattenladen 6pack Records, dessen Geschichte aber schon vor gut 30 Jahren begann.
Mit einem freundlichen Lächeln begrüsst Armin Boller, Inhaber und Betreiber des 6pack Records, seine Kunden. «Du sagst, wenn ich dir behilflich sein kann», sagt er und lässt einen Espresso aus der Kaffeemaschine heraus.

Den 55-Jährigen kennen alte HipHop-Szenegänger noch als NaiL, so lautete sein DJ-Name. «Wenn mich gewisse Leute noch NaiL nennen, ist das kein Problem, aber meine Künstlerpseudonym-Phase ist langsam vorbei. Ich stelle mich heute den Leuten hier als Armin vor.»
Seine Leidenschaft für HipHop entdeckte er in den frühen 80er-Jahren, als Songs von Sugar Hill Gang und Grandmaster Flash im Radio liefen. 1987 konnte sich Armin seinen ersten professionellen DJ-Plattenspieler leisten, einen Technics MK2-Turntable, um selbst endlich das Mixen und Scratchen zu üben. Im selben Jahr reiste er auch das erste Mal nach England und stellte fest, dass dort eine viel grössere Auswahl an HipHop-Platten vorhanden war als in der Schweiz. Von da an kaufte er regelmässig Vinylscheiben in London ein, doppelt und dreifach, da viele andere hier dieselbe gute Musik suchten. So konnte er sich durch den Weiterverkauf sein Hobby finanzieren.
«Wenn mich gewisse Leute noch NaiL nennen, ist das kein Problem, aber meine Künstlerpseudonym-Phase ist langsam vorbei.» Armin Boller
Wachsende Nachfrage
Zu Hause stapelten sich immer mehr Kisten mit Vinyl, und so kam es, dass Armin Boller sich 1996 im Graffiti-Shop SixPack an der Dienerstrasse einmietete. Sprühdosen oben, Vinyl im Keller. Der Name war schnell gefunden. «Das Sprühdosengeschäft hiess SixPack, weil die Sprühdosen im Sechser-Pack verkauft werden. Also hiess der Plattenladen halt einfach 6pack Records», erklärt Armin.
Das Motto der frühen Jahre lautete «Von DJs für DJs.» Was in einem Keller startete, benötigte bald eine eigene Ladenfläche, die Nachfrage war gross. Und so zog der 6pack Records 2001 an die Badenerstrasse, wo er fast 20 Jahre blieb.

«Privat war ich auch noch auf Soul, Funk und Jazz fokussiert, was für mich der eigentliche Ursprung des HipHops und Raps war», erzählt Armin. Folglich kamen immer mehr Musikgenres über all die Jahre dazu, sodass heute im 6pack praktisch für jeden Musikgeschmack etwas zu finden ist. «Einzig Volksmusik und Ländler habe ich nicht», sagt er.
Breite Kundschaft
Ein Durchschnittsalter seiner Kunden gibt es nicht, von 10 bis 90 Jahren ist alles vertreten. Dafür gibt es im Zeitalter von TikTok teils kuriose Anfragen: Ein Musikstück, das auf TikTok viral geht, wird plötzlich wieder auf Vinyl gesucht. Das Erlebnis, eine Platte physisch in der Hand zu haben, aufzulegen, das Klicken zu hören, wenn die Nadel in die Rille springt; das ist durch keinen Streaming-Algorithmus ersetzbar. «Die alte Generation hat das an die Jungen weitergegeben. Dass es ein anderes Erlebnis ist, wenn man etwas auf Schallplatten hat. Nicht einfach nur per Knopfdruck abrufbar», sagt Armin.

Von seiner früheren Kundschaft haben einige DJs ihre Platten wieder an ihn verkauft. Teils weil sie mit dem DJing aufgehört haben, teils weil sie ihre Sammlung wieder ausgemistet haben. So landen immer wieder mal sehr gute Platten im 6pack, die schon längst vergriffen sind.
«Einzig Volksmusik und Ländler habe ich nicht» Armin Boller
Sammler und Sparfüchse
Sammler finden im 6pack auch heiss begehrte Raritäten. Gewisse Sammlerstücke gehen auch mal über den Ladentisch für über 3'000 Franken. Solche Raritäten sind aber sehr schwer aufzutreiben und werden auch nicht alle Tage verkauft. Die meisten Kunden geben zwischen 20 und 30 Franken aus. Und für Sparfüchse hat es sogar beim Eingang eine Kiste mit 1-Franken-Platten.

Das Lager umfasst ca. 80’000 Platten, davon sind ca. 7’000 direkt online über die Website bestellbar. Anfragen kommen auch per E-Mail, dann schaut Armin im Lager nach, ob das gesuchte Objekt womöglich dort schlummert. Bestellungen kommen aus der ganzen Welt, von Peru bis Holland. «Es ist schön, dass ich Bestellungen aus aller Welt habe, aber am liebsten sind mir die persönlichen Begegnungen hier im Laden», sagt Armin und grüsst einen weiteren Stammkunden, der den Laden betreten hat.
Website: www.6pack.ch
Instagram: @nail6pack
Text und Bilder von einem QV-Mitglied, das anonym bleiben will | Mai 2026



