Wiedikon

Zehntausend Quadratmeter Grünraum für Wiedikon?

Bahngraben zwischen Bahnhof Wiedikon und Gleisdreieck. Foto Reto Oeschger, Tagesanzeiger vom 5.9.2017. Bahngraben zwischen Bahnhof Wiedikon und Gleisdreieck. Foto Reto Oeschger, Tagesanzeiger vom 5.9.2017.
Seit einigen Monaten ist eine alte Diskussion neu entflammt: Zwischen dem Kreis 3 und dem Kreis 4 soll ein über 4 Hektaren grosser Park entstehen, ohne dass ein Haus oder eine Strasse verschwindet. Grünes Illusionstheater? Ein Architekten-Furz? Oder doch ein seriöses Projekt?

Der Verein "Seebahn-Park statt Seebahn-Graben" entwickelt eine kühne Vision: Die Bahngeleise zwischen Bahnhof Wiedikon und dem Gleisdreieck beim Güterbahnhof sollen mit einem grünen Deckel versehen werden. Seit fast 100 Jahren trennt der fast ein Kilometer lange Bahngraben den Kreis 3 (Wiedikon) vom Kreis 4 (Aussersihl-Hard) und durchschneidet letzteren in fast brutaler Weise. Ideen einer grünen Überdachung geistern bereits seit den 1960er Jahren herum.
Hier entstehen die fünf Parks zwischen Bahnhof Wiedikon und Gleisdreieck. Hier entstehen die fünf Parks zwischen Bahnhof Wiedikon und Gleisdreieck.
Letzten Herbst nun hat sich unter Leitung von Rechtsanwalt und Hotel Greulich-Besitzer Thomas Brunner und Immobilienkönig Steff Fischer der erwähnte Verein konstituiert. Im März 2019 stellten Brunner und seine Mitstreiter den Quartiervereinen Wiedikon und Aussersihl-Hard sowie verschiedenen lokalen Kreisparteien und Naturschutzorganisationen wie WWF, Verschönerungsverein und Verein StadtNatur ihre Pläne vor. Die Idee: Zwischen den sechs Strassen, die das tiefergelegte Bahntrassee überbrücken (Zweier-, Kalkbreite-, Badener-, Kanzlei-, Stauffacher- und Hohlstrasse) sollen fünf leicht erhöhte Parks errichtet werden. Diese werden mit einer Velospur und diversen Spazierwegen verbunden. Die fünf Parks bilden einen grossen zusammenhängenden Grünraum: einen Ort für Erholung, Sport, Spiele, Picknick und Begegnungen. Eine neue grüne Lunge zwischen Wiedikon und Aussersihl-Hard.

Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude Wiedikon könnte ebenso stehen bleiben wie die Platanen-Alleen längs der Seebahn- und Hermann-Greulich-Strasse. An den beiden Parkköpfen Bahnhof Wiedikon und Hohlstrassen-Brücke sind punktuelle Hochhäuser denkbar. Durch die Deckelung würde der heutige Bahnlärm verschwinden. Gemäss Schätzungen der Initianten kostet ein solcher Park-Deckel gegen 400 Millionen Franken.

Bereits haben erste Kontakte zu den SBB als Grundeigentümerin stattgefunden, das Echo sei positiv, erklären die Initianten. Offen zeigen sich auch die Zürcher Stadträte Richard Wolff, André Odermatt und Filippo Leutenegger. Der überdeckte Seebahngraben ist bereits im neuen kommunalen Richtplan enthalten. Auch der Quartierverein Wiedikon begrüsst die Idee, erhält doch so der Kreis 3 zusammen mit dem Kreis 4 auf einen Schlag einen neuen 42'000 Quadratmeter grossen Park, davon rund ein Viertel auf Wiediker Gebiet. Der Seebahnpark wäre aus unserer Sicht eine ideale Ergänzung zu den Verdichtungsplänen der Stadt für die nächsten 20 Jahre.

In der NZZ vom 2. Juli 2019 hat Initiant Thomas B. Brunner die Vision in einem Gastbeitrag neu vorgestellt.

Bereits im Herbst 2017 hatte der Tagesanzeiger hier über das Projekt berichtet.

Mehr dazu unter: www.seebahn-park.ch