Wie sicher ist der Kreis 3?
- Quartierverein Wiedikon

- 8. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Anfang Dezember kontrollierten zivile Fahnder der Stadtpolizei Zürich zwei Personen, die kurz zuvor einen CBD-Shop im Kreis 3 besucht hatten. Die Kontrolle führte die Ermittler sowohl zum Wohnort des Shopbetreibers als auch zu einem weiteren mutmasslichen Drogendealer. Bei anschliessenden Hausdurchsuchungen im Kanton Zürich sowie bei der Durchsuchung des Geschäfts stellten die Polizisten Betäubungsmittel und Bargeld sicher.
Der Medienmitteilung der Stadtpolizei war ein eindrückliches Foto des sichergestellten Drogenfunds beigelegt – ein Bild, das hängen bleibt. Und das die Frage aufwirft: Wie sicher ist eigentlich der Kreis 3?

Ein lebendiges Quartier so gross wie Biel
Wiedikon gilt seit Jahren als aufstrebendes Quartier. Bevölkerungswachstum, eine lebendige und wachsende Gastroszene – mit Hotspots rund um das Lochergut – sowie grosse, traditionsreiche Genossenschaften prägen das Bild.
Dabei geht oft vergessen, dass Wiedikon mit rund 52’000 Einwohnerinnen und Einwohnern fast so gross ist wie die Stadt Biel. In einer Rangliste der grössten Schweizer Städte läge Wiedikon zwischen Biel und Thun auf Platz 11. Auch wenn man gerne von einem «Quartier» spricht, bewegen wir uns aus schweizerischer Sicht längst in grossstädtischen Dimensionen.
Ein Vergleich mit Biel ist auch aus kriminalstatistischer Sicht interessant. Gemäss der Berner Statistik 2024 weist Biel rund 0.10 Straftaten pro Einwohner aus. Für den Kreis 3 liegt dieser Wert gemäss Zürcher Statistik nur bei rund 0.08 Straftaten pro Einwohner.
Dabei ist zu beachten: Massgebend ist stets der Tatort. Anders formuliert: Liefern sich ein Aarauer und ein Lenzburger wegen eines Stücks Rüeblitorte am Idaplatz eine handfeste Auseinandersetzung, erscheint dies statistisch als Straftat auf Wiediker Boden, auch wenn es sich eher um eine Aargauer Lokalposse handelt.
Ein Blick in die Detailzahlen zeigt, dass rund drei Viertel aller Straftaten Vermögensdelikte sind (knapp 3’000 Fälle). Den grössten Anteil machen Diebstähle aus (rund 1’120 Fälle). Besonders ins Auge stechen dabei Fahrzeugdiebstähle. Ein Phänomen, das viele kennen: Man kommt zum Veloständer zurück und findet statt des eigenen Velos nur noch ein geknacktes Schloss.
Auffällig ist zudem die hohe Zahl an Urkundenfälschungen im Jahr 2023 (rund 1’100 Fälle), während in den Jahren 2022 und 2024 lediglich 170 respektive 34 Fälle registriert wurden. Eine naheliegende Vermutung ist, dass es sich dabei um Fälschungen von COVID-19-Impfzertifikaten gehandelt haben könnte.
Über die letzten fünf Jahre zeigt sich insgesamt eine stabile bis leicht steigende Tendenz der Straftaten.
Sicherheit ist auch ein Gefühl
Ein wichtiger Indikator für das Sicherheitsgefühl ist die städtische Bevölkerungsbefragung 2025. Dort wird der Kreis 4 als einer der Orte genannt, die nachts gemieden werden – allerdings relativiert sich dies durch den Umstand, dass es sich lediglich um rund 8 Prozent der Antworten handelt.

Tatort Wiedikon - eher Ausnahme wie die Regel
Der Kreis 4 weist beinahe doppelt so viele Straftaten auf wie der Kreis 3, dies jedoch bei nur rund 60 Prozent der Bevölkerung. Dies lässt sich mit seiner Funktion als Ausgehviertel und seiner historischen Rolle als Milieuquartier erklären. Entsprechend wird der Kreis 4 von Teilen der Bevölkerung als weniger sicher wahrgenommen.
Interessant ist der zeitliche Vergleich: Vor 20 Jahren gaben noch rund 33 Prozent der Befragten an, den Kreis 4 nachts zu meiden. Heute sind es noch rund 8 Prozent. Die Langstrasse bleibt dabei konstant der meistgenannte Ort, den rund 50 Prozent der Befragten nachts als unangenehm empfinden – ein Muster, das sich in ähnlicher Form in der ganzen Stadt zeigt.
Die Frage, wie sicher man sich nachts alleine zu Fuss im eigenen Quartier fühlt, beantworten im Kreis 3 ganze 85 Prozent der Befragten mit «sehr sicher» oder «eher sicher». Unterschiede zeigen sich insbesondere zwischen den Geschlechtern (Frauen: 80 Prozent, Männer: 90 Prozent) sowie mit zunehmendem Alter. Bei Personen über 70 Jahren sinkt der Wert auf rund 70 Prozent.
Über alle Altersgruppen hinweg gilt: Das Sicherheitsgefühl hat in den letzten 20 Jahren deutlich zugenommen.
Die Zukunft der Polizeiarbeit im Quartier
Die Strategie des Sicherheitsdepartements der Stadt Zürich sieht vor, die heutigen Regional- und Quartierwachen schrittweise zu schliessen und die Polizeiarbeit an vier zentralen Standorten zu bündeln. Die Regionalwache Wiedikon soll in den 2030er Jahren geschlossen und ab dem neuen Standort auf dem Albis-Areal (ab 2033) mit einem 24-Stunden-Betrieb bedient werden.
Die Stadtpolizei verspricht sich von dieser Zentralisierung eine Effizienzsteigerung: weniger gebundene Ressourcen in Gebäuden, dafür mehr Präsenz auf den Strassen.


Trotz aufsehenerregender Ereignisse wie dem eingangs erwähnten Schlag gegen den Rauschmittelhandel lässt sich festhalten: Der Kreis 3 ist ein sicherer Kreis. Wie alle urbanen Räume ist er kein Hort der Glückseligen, doch sowohl die Kriminalitätsstatistik als auch die Bevölkerungsbefragung stützen diesen Befund.
Schwere Straftaten sind selten. Die mit Abstand grösste Wahrscheinlichkeit besteht darin, Opfer eines Diebstahls zu werden – nicht eines Gewaltverbrechens.
Gerne hätten wir die Sichtweise des Sicherheitsdepartements der Stadt Zürich zum CBD-Vorfall ausführlich dargelegt. Seitens der politischen Führung wurde jedoch beschieden, man wolle die Fragen des Quartiervereins Wiedikon nicht beantworten.



