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Von Maschinen Und Menschen

  • Schenzle Andreas (Externer Autor)
  • 10. Mai
  • 4 Min. Lesezeit
Ladenlokal von revamp-it  in der Birmensdorferstr. 379 | (Foto revamp-it)
Ladenlokal von revamp-it  in der Birmensdorferstr. 379 | (Foto revamp-it)

Wer kennt es nicht? Schon nach wenigen Jahren wird der Computer wegen der vielen Software-Updates und seiner Überfrachtung mit Daten und Anwendungen träge, und neueste Funktionalitäten lassen sich nicht mehr installieren. Die Marketing-Maschinerie der Tech-Industrie läuft zudem wie geschmiert, und rät Firmen und Konsumentinnen und Konsumenten regelmässig zum Kauf neuer, teurer Produkte. Dann beginnt der Produktlebenszyklus von neuem, und die alten Computer werden dann meist entsorgt, was leider nicht nachhaltig ist. Der in Wiedikon ansässige gemeinnützige Verein revamp-it leistet wesentliche Beiträge zur zirkulären Kreislaufwirtschaft im Bereich IT und zur Arbeitsintegration.


Elektronischen Geräte sind i. d. Regel auch über ihren von den Herstellern bestimmten Produktlebenszyklus hinaus noch lange nutzbar oder lassen sich mit relativ einfachen Mitteln wieder auf Vorderfrau oder -mann bringen. «Ein neuer Laptop, der sieben Mal weniger Energie benötigt wie ein alter, müsste 10 Jahre regelmässig benutzt werden, damit die Energiebilanz besser ausfällt als bei der Weiternutzung des alten Geräts», erklärt Andreas Rudin. Er ist Mitgründer und Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Vereins «revamp-it», was auch mit «renoviere es» übersetzt werden kann, wobei mit «es» ausgemusterte Elektronik gemeint ist.


Geführt wird der Verein über das aktuelle Orga-Team bestehend aus Veronica Caon als Team-Koordinatorin, Daniel Zbinden als Software-Ingenieur und Andreas Rudin als Tagesgeschäft-Verantwortlicher. Was Rudin mit weiteren Mitstreitern vor 23 Jahren startete, war nichts anderes als ein wesentlicher Beitrag zu einer sinnvollen zirkulären Kreislaufwirtschaft, und zwar lange bevor der Begriff in der Politik ankam und zum Modewort wurde.


Gruppenbild vor dem Laden mit Veronica Caon (rechts) und Andreas Rudin (Mitte) | (Foto: Andreas Schenzle)
Gruppenbild vor dem Laden mit Veronica Caon (rechts) und Andreas Rudin (Mitte) | (Foto: Andreas Schenzle)


Der Zürcher Verein kam zunächst in der stillgelegten Toni-Molkerei unter, zog später nach Wipkingen in das Kirchgemeindehaus, dann ins Kasernenareal und anschliessend wieder nach Wipkingen in die ehemalige ZKB-Filiale bevor Ende 2020 das Ladengeschäft in Wiedikon-Heuried, Birmensdorferstrasse 379 bezogen wurde.



revamp-it sammelt ausrangierte Computer einschl. Laptops und Peripheriegeräte, überprüft und repariert sie wenn notwendig, und installiert ein GNU/Linux-Betriebssystem, was alte Computer wieder erstaunlich flott macht. Die installierte Software ist in der Regel nicht nur frei (= nicht an Eigentumsrechten gebundener, einsehbarer und ohne Restriktionen veränderbarer Programmier-Code) sondern auch gratis. Mittlerweile sind diese quasi genauso anwenderfreundlich und funktionell wie gängige Produkte von Microsoft oder Apple, wenn man einmal von den neuesten Entwicklungen mit Künstlicher Intelligenz absieht. revamp-it bietet auch Schulungen zur Installation und Anwendung von GNU/Linux-Software an.


Symbolische Zerschlagung von Windows 11 in der Gestalt eines Schokihasli (© 2025, Free Software Foundation. Dieses Foto ist lizenziert unter CC BY-SA 4.0.)



Privatpersonen können ihr Gerät zudem reparieren lassen oder Ersatzteile kaufen. Die aufgepäppelten Geräte und diverse andere, meist gebrauchten Produkte werden zu einem fairen Richtpreis angeboten, und sind auch online über den Webshop bestellbar. Rudin erklärt, dass Kundinnen und Kunden selber entscheiden sollen, ob sie mehr oder weniger zahlen wollen oder können. So ist jedem Geldsäckli gedient.


Bild links: Pinguin Tux, das Linux-Maskottchen

(lewing@isc.tamu.edu Larry Ewing and The GIMP; Creative-Commons-Lizenz CC0 1.0 Verzicht auf das Copyright)

Bild mittig: Die Reparatur der Elektronik erfordert Fachwissen (Foto revamp-it)

Bild rechts: Ein altes Laptop, dass durch ein GNU/Linux-Betriebssystem wieder flott gemacht wurde.

(Foto: Andreas Schenzle)



Erst wenige Monate ist Veronica Caon als Team-Koordinatorin dabei. Sie klärt mich sogleich auf, dass sie nicht etwa Informatik studiert hat, sondern Sozialpädagogik. «Wir kümmern uns hier nämlich nicht nur um Maschinen, sondern auch um Menschen».


revamp-it  bietet soziale Arbeitsplätze und eine gewisse Tagesstruktur für Langzeit-arbeitslose, Asylsuchende und IV-Beziehende zur Überbrückung und Reintegration, oder für Pensionierte, die einfach ihren Tag sinnvoll ausfüllen wollen. Bezahlt werden nur die wenigsten der derzeit etwa 15 Beschäftigten. Caon informiert, dass sich der Verein zu etwa einem Drittel aus Verkäufen und Serviceleistungen finanziert, während zwei Drittel Spenden, Projektbeiträge und öffentliche Gelder sind (z.B. vom Förderprogramm KlimUp der Stadt Zürich).


Veronia Caon kümmert sich bei revamp-it  um die Menschen (Foto revamp-it)
Veronia Caon kümmert sich bei revamp-it um die Menschen (Foto revamp-it)

revamp-it ist aktiv an diversen gemeinnützigen Projekten, wovon hier nur wenige Beispiele aufgeführt werden. Er ist u.a. Gründungsmitglied an dem von der Stadt Zürich unterstützten Verein Zürich Repair auf dem Josy-Areal. Ausserdem ist revamp-it  massgeblich am vor 21 Jahren gegründeten Verein Linuxola beteiligt, dessen Ziel es ist, Partnerinnen und Partnern in Afrika mithilfe von Open-Source-Software den Zugang zu Informationstechnologie und somit den Anschluss an die globale digitale Allmende zu ermöglichen. Ein neues Projekt ist gerade in der Phase einer Machbarkeitsstudie und zielt auf das Recycling von alten Monitoren ab, was in Zusammenarbeit mit der Swico, dem Werkraum4 der Stiftung ZSGE und der ZHAW in Winterthur erfolgt.


Nach über sechs Jahren in Heuried muss der Verein bis spätestens im Februar 2027 ausziehen, und sucht deswegen dringend ein neues Lokal mit Laden und Raum für etwa 20 Arbeitsplätze (mindestens 250 qm). Wer entsprechende Räumlichkeiten anbieten oder vermitteln will, kann gerne eine Nachricht an orgateam@revamp-it.ch schicken oder die Geschäftsnummer der revamp-it 043 960 32 64 anrufen.


Soziale Arbeitsplätze im Ladenlokal (Foto Andreas Schenzle)
Soziale Arbeitsplätze im Ladenlokal (Foto Andreas Schenzle)


Schliesslich soll noch das von revamp-it  eingereichte Projekt für das Pilotquartier Netto-Null Projekt in Alt-Wiedikon und Binz, erwähnt werden. Das Projekt sieht monatliche GNU/Linux-Workshops für die Bevölkerung und Betriebe vor, um funktionierende Geräte länger nutzen zu können. Veronica Caon, Daniel Zbinden und Andreas Rudin sind für jede Stimme aus dem Quartier dankbar. Um teilzunehmen, muss man sich mit einer e-Mail-Adresse hier registrieren. Man darf für bis zu fünf verschiedene Projekte abstimmen.


Bei der Gelegenheit bittet der QV gleich noch um Stimmen für seine eigenen noch verbliebenen «Eisen im Feuer»: Projekt 1 (Einführung klimafreundlicher Heizsysteme) und Projekt 3 (Verbesserung der Wärmedämmung von Gebäuden). Die Abstimmung läuft noch bis zum 13. Mai. Die Abstimmung ist eine sehr gute Gelegenheit für alle Bürgerinnen und Bürger im Quartier, Einfluss auf die lokalen Klimamassnahmen zu nehmen.


Autor: Andreas Schenzle | Mai 2026


Foto: Jesca Li


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