SZU-Station Friesenberg wird verschoben
- Quartierverein Wiedikon

- 13. März
- 3 Min. Lesezeit

Nun wird es definitiv: Trotz heftigem Widerstand im Quartier wird die Haltestelle Friesenberg der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn (SZU) verschoben. Vom heutigen Standort Kiosk bei der Kreuzung der Bahnlinie mit der Friesenbergstrasse (unterhalb des Jüdischen Friedhofs Unterer Friesenberg) hin zum Doppelspurbereich zwischen Seniorama im Tiergarten und Wohnsiedlung Gehrenholz. Diese von der SZU seit Jahren verlangte Verschiebung war lange blockiert durch eine Einsprache der Miteigentümer-Gemeinschaft am Agnes-Robmann-Weg, die von einer teilweisen Enteignung betroffen sind. Diese 84 Eigentümer haben sich in den letzten Tagen mit der SZU auf einen Vergleich geeinigt, der den Weg für die Verschiebung der SZU-Starion möglich macht.
Thomas Held, einer der betroffenen Anrainer, sagt bedauernd: «Wir haben Einiges erreicht, aber niemand ist wirklich glücklich über diesen Ausgang. Unsere Einsprache vor Gericht, notfalls bis vor Bundesgericht, weiterzuziehen, wäre ein Risiko mit ungewissem Erfolg und einer langen Verzögerung gewesen.» Der Anwalt des Gehrenholz-Komitees hätte ihnen davon abgeraten.
Wie kam es zum heutigen Ergebnis? Nach zähen Verhandlungen mit der SZU und einer amtlichen Begehung vor Ort am 13. November 2025 zusammen mit Vertretern des bewilligenden Bundesamts für Verkehr (BAV) habe man sich zu einem Vergleich durchgerungen. Dieser lautet zusammengefasst: Rückzug der Einsprache der Gehrenholz-Anwohner gegen Projektanpassungen und Umsetzung eines Bepflanzungskonzepts sowie Übernahme der Anwaltskosten durch die SZU. Die Projektanpassungen beziehen sich auf Details wie die unterirdische Verlegung von Stromleitungen, die Verlegung von Beleuchtungskandelabern und kosmetische Begrünungsmassnahmen in den Vorgärten und der Seeparzelle der betroffenen Hauseigentümer. Diese stimmten im Gegenzug der Näherlegung des Agnes-Robmann-Weges an ihre Gebäude und damit einer Teilenteignung ihrer Grundstücke zu.


Die Visualisierung des Anwohnerkomitees zeigt, dass die Verlegung der Haltestelle von Anfang an einem Grundfehler litt: Eine neue Bahnstation mitten in zwei dicht besiedelte Wohngebiete zu bauen, ist städtebaulich höchst problematisch (siehe Foto ganz oben). Auf beiden Seiten der Doppelspur muss für den Neubau der barrierefreien gedeckten Haltestelle künstlich Platz geschaffen werden. So werden die belebte Café-Terrasse des Seniorama Tiergarten verkleinert und der ohnehin schmale Grüngürtel vor den Gehrenholz-Häuser noch weiter reduziert. Beides ist ökologisch und siedlungspolitisch fragwürdig. Doch die Leitung der Uetlibergbahn, die sich gewohnt ist, Interessen des öffentlichen Verkehrs notfalls auch rücksichtslos gegen Anwohnerwiderstand durchzusetzen, beharrte darauf.
Visualisierung der neuen Station Friesenberg


Der Streit um die Verlegung der SZU-Haltestelle Friesenberg zieht sich nun seit vier Jahren dahin. Dabei hat die SZU mit ihrem teils hemdsärmeligen Vorgehen und ungeschickter Kommunikation viele Quartierbewohnerinnen und -bewohner verprellt. Der Quartierverein hat dies mehrfach dokumentiert: «Zoff um neue SZU-Haltestelle Friesenberg» (20.4.2022) und «Neuer Triumphbogen am Friesenberg» (2.8.2022). Später stellte sich dann heraus, dass das «Stahlmonster» über die Friesenbergstrasse gar nie richtig funktionstüchtig gewesen ist, dass das Bauprojekt fehlerhaft ausgeschrieben wurde und die Konstruktion Ende 2026 wieder abgebaut werden soll: «SZU baut Kreuzungsmonster am Friesenberg 2026 wieder ab» (29.8.2023). Gemäss dem Zürcher Stadtrat hat die fehlerhafte Konstruktion «etwa 2,5 Millionen Franken» gekostet. So viel zur peinlichen Chronologie dieses SZU-Projekts.
Seit vier Jahren des Anstosses: Stahlmonster an der Kreuzung Friesenbergstrasse/Uetlibergbahn

Stossend bleibt für Thomas Held am Schluss auch die Rolle der Stadt Zürich, die bei diesen Verhandlungen praktisch unsichtbar blieb. Sie habe geschwiegen zu einem «Projekt, das das Stadtklima schädigt und gestalterisch unhaltbar ist – etwa im Vergleich zu den Stationen der Glattalbahn». Schon zu Beginn des Verfahrens hätten die direkt angefragten Stellen (Tiefbauamt, Grün Stadt Zürich) «den Eindruck vermittelt, dass von oben angeordnet worden sei, in dieser Sache nichts zu unternehmen». Ein Eindruck, den auch andere Einsprecher wie Jost Wirz (der inzwischen aus dem Gehrenholz weggezogen ist) teilen.
Held vermutet, dass sich die Stadt weniger passiv verhalten hätte, wenn eine Genossenschaft davon betroffen gewesen wäre. Für private Hauseigentümer wie im Gehrenholz bringt die Stadt dagegen weniger Herzblut auf. Ein neckisches Detail in diesem Zusammenhang ist, dass ein ehemaliger linker Stadtpräsident selbst im Gehrenholz wohnt und aktiv am Widerstand gegen das unsinnige Verschiebungsprojekt beteiligt war. Doch auch sein Einsatz hat offensichtlich nicht gefruchtet.
Aus Sicht des Quartiers bringt die Verschiebung der Haltestelle keinen Vorteil, ausser dass die Station barrierefrei zugänglich und mit einem kleinen Vordach versehen sein wird. Diese beiden Erweiterungen hätte man allerdings auch erreicht, wenn man die Haltestelle unterhalb des Friedhofs Unterer Friesenberg im Kontakt mit der jüdischen Gemeinde moderat ausgebaut hätte. Auch gegen diese Option hatte sich die SZU vehement gewehrt. Die ganze Chronologie ist kein Ruhmesblatt, weder für die SZU noch für die Verantwortlichen der Stadt Zürich.



