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Stadt lenkt ein beim Streit mit Quartierverein Wiedikon

Urs Rauber
vor 6 Stunden
3 Min. Lesezeit

Der Quartierverein hat bei einer juris­ti­schen Aus­ein­an­der­setz­ung mit der Stadt Zürich einen Sieg errungen. Das Präsidial­de­par­te­ment er­stat­tet uns die Porto­kosten für den Neu­zu­zü­ger­an­lass 2025 in Höhe von gut 1'300 Franken zurück. Eine Forderung, die der Quar­tier­­verein seit Dezember 2025 geltend gemacht hatte – wie in früh­er­en Jahr­en. Dieser Erfolg hat auch Aus­wir­kung­en auf andere Quartier­vereine, die die neue Subventions­verein­barung nicht unter­zeich­net haben.

Neuzuzüger/innen treffen sich am Glühweinhüettli-Stand 2025
Neuzuzüger/innen treffen sich am Glühweinhüettli-Stand 2025

Doch schön der Reihe nach. Als Präsi­dent des Quartiervereins Wiedikon (bis zu meinem Rücktritt im März 2026) musste ich diese Gelder der Stadt in einem eigentlichen juristischen Kampf «abringen». Denn die Direktorin der Stadtentwicklung Anna Schindler und ihre damalige Vor­ge­setz­te Stadt­prä­si­den­tin Corine Mauch wollten letztes Jahr die Quartier­vereine dazu bringen, erst die umstrittene «Subventions­ver­ein­ba­rung» für die Jahre 2025 bis 2028 zu unterzeichnen – bevor rückwirkend die städtischen Gelder ausbezahlt würden. Ein frag­wür­di­ges Druckmittel, das aber nicht verfing. Unser Haupt­ar­gu­ment: Weil die definitive Subven­ti­ons­ver­ein­ba­rung erst am 13. No­vem­ber 2025 allen Quartiervereinen zu­ge­schickt wurde, konnte die neue Regelung bei der Einladung an Neu­zu­zü­ger/innen (Frühherbst 2025) noch gar nicht in Kraft sein.

Anna Schindler
Anna Schindler
Corine Mauch
Corine Mauch

Doch die Verwaltung spielte auf Zeit: Erst verzögerte Frau Schindler die Auszahlung, indem sie mitteilte: «Für die Vergütung der Portokosten besteht keine Rechtsgrundlage» (Mail vom 1. Dezember 2025). Als wir sie daraufhin wiederholt baten, uns eine anfechtbare Verfügung auszustellen (8.12.25 / 16.1.26 / 2.2.26), brauchte sie dafür zwei Monate, um uns eine solche am 4. Februar 2026 zu schicken. Wie erwartet wurde unser Begehren abgewiesen. Wir könn­ten allerdings, hiess es in der Rechtsmittelbelehrung, eine Neu­be­ur­tei­lung durch den Stadt­rat von Zürich verlangen. Diese sei im Falle einer Abweisung kosten­pflichtig, die Pauschal­gebühr betrage «in der Regel» Fr. 400.-

Brigitte Pfiffner
Brigitte Pfiffner

Daraufhin beschloss der Vorstand des Quartier­vereins anfangs Februar 2026, ein solches Gesuch einzureichen. Antrag und Begründung des drei Seiten umfassenden Begehrens wur­den hauptsächlich von QV-Mitglied Brigitte Pfiffner, ehemalige Bundes­rich­ter­in (2009- 2019), formuliert. Ab­ge­seh­en von einem formal­­ju­ri­sti­schem Schriften­wechsel (Replik/Duplik, neue Vollmacht für den zurück­­ge­­tre­­ten­en Präsidenten) hörten wir monatelang nichts mehr von der Stadtverwaltung.

In der Zwischenzeit stellten zwei QV-Mitglieder statuten­gemäss den Antrag, dass der Quartier­verein an seiner nächst­en General­ver­samm­lung über die vorgeschlagene Subventions­ver­ein­barung diskutieren solle. Der Anlass vom 26. März 2026 war die best­be­such­te GV unse­rer Vereins­geschichte. Nach einer lebhaften Dis­kus­sion lehnte das Plenum diesen «Knebelvertrag», wie er genannt wurde, deutlich ab. Ähnlich hatten zuvor und danach die drei Quartier­ver­eine Altstetten, Wipkingen und Industrie (Kreis 5) entschieden.

Antragsteller an der Generalversammlung 2026
Antragsteller an der Generalversammlung 2026

Ebenfalls diesen Frühling wurden ein neuer Stadtpräsident sowie drei neue Stadträte gewählt. Um den neuen Neugewählten etwas Zeit zu geben, erkundigten wir uns erst Ende Juni 2026 beim zuständigen Präsidial­depar­te­ment nach dem Stand unseres Ver­fahr­ens. Wiederum wurden wir um viele weitere Wochen vertröstet – auf «irgendwann nach den Sommer­feri­en». Am 11. September wandte ich mich direkt an den neuen Stadt­präsi­den­ten Raphael Golta mit der Frage: Wie lange soll dieser Rechtsstreit mit dem Quartierverein Wiedikon weiter­geführt werden? Und siehe da, seine Stabs­chef­in verkündete, «dass das Verfahren kurz vor dem Abschluss» stehe. Endlich!

Raphael Golta
Raphael Golta

Der Entscheid ist erfreulich. Am 15. Sep­tem­ber teilte uns Anna Schindler mit: «Nach Rücksprache mit dem Stadt­präsi­denten sind wir zum Schluss ge­kom­men, dass für das Jahr 2025 besondere Um­stän­de vorliegen.» Deshalb werde unser Gesuch gut­ge­heis­sen und der Betrag für die Porto­kosten von Fr. 1'338.95 nach Ablauf der 30-tägigen Einsprachefrist überwiesen. Mit einer drei Seiten um­fas­senden Abschreibeverfügung wur­den die zuvor gemachten Ab­lehn­ungs­gründe (keine Rechtsgrundlage, Verweis auf Merk­blät­ter) kurzerhand zurück­gezogen.

Interessantes Detail: In Kopie ge­nom­men wurde beim Entscheid auch Pierre Heusser, der Ombudsmann der Stadt Zürich. Dieser war nämlich kurz vorher vom Quartier­verein Altstetten unter Leitung von Präsidentin Esther Leibundgut in der gleichen Sache kontak­tiert worden. Entsprechend erfreut schrieb uns der Ombudsmann: «Wir freuen uns über diesen positiven Verlauf, da Ihr ursprüngliches Begehren zuerst abgewiesen wurde.»

Pierre Heusser
Pierre Heusser
Esther Leibundgut
Esther Leibundgut

Wie steht es um die übrigen städtischen Beiträge? 

Diesen Erfolg nimmt der Vorstand des Quartiervereins nun zum Anlass, um auch die übrigen städtischen Gelder wie Administrations­pauschale, Be­völ­ke­rungs­pauschale, Veranstaltungs­unter­stütz­ung für zehn durchgeführte An­läs­se für das Vereinsjahr 2025 zu­rück­zu­for­dern. Beiträge, die seit Jahr­zehn­ten – beruhend auf einer äl­te­ren Charta der Zusammenarbeit – mit Zustimmung des Gemeinderats bis 2024 an­stands­los ausbezahlt worden sind. Auch diese Beiträge sind für das Vereinsjahr 2025 nach unserer Auf­fass­ung geschuldet. Denn die erst im November 2025 in Kraft gesetzte Subventionsvereinbarung kann keine negative Rückwirkung entfalten.

Die Summe der übrigen städtischen Gelder beträgt allerdings deutlich mehr als die Porto­kosten, nämlich Fr. 23'275. Das Begehren ist eingereicht und wir sind gespannt, ob auch dieses Mal hartnäckig gestritten werden muss oder ob die Stadtverwaltung Lehren aus ihrem Rückzug zieht. Affaire à suivre, wir werden darüber berichten.

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Autor: Urs Rauber, Präsident QVW (2017 bis März 2026)

Bilder:

  • Portraitfotos von Anna Schindler, Corine Mauch, Raphael Golta und Pierre Heusser mit freundlicher Genehmigung der Stadt Zürich

  • Portraitfoto von Esther Leibundgut mit freundlicher Genehmigung von Esther Leibundgut

  • Alle anderen Fotos aus dem Archiv des Quartiervereins Wiedikon



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