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Das Albisgüetli – ein spannender Ort in Wiedikon

Andreas Schenzle
vor 1 Tag
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 22 Stunden

Eingang Festsaal Albisgüetli
Eingang Festsaal Albisgüetli

Zugegeben - das Albisgüetli haben wir bisher wirklich stiefmütterlich be­han­delt. Woran mag das nur liegen?

Dass die Schützengesellschaft und das Gasthaus noch keine Mitglieder im Quar­tier­verein sind? → Nein, so klein­ka­riert den­ken wir nicht.

Der Turm des Schützenhauses
Der Turm des Schützenhauses

Dass die SVP dort ihre grosse all­jähr­­li­che Tagung abhält? → Nein, nur ein Quar­tier­­verein, der tolerant und offen für alle Gesellschaftsströme ist, ist ein guter Quartierverein.

Oder dass wir trotz Verjüngung noch keine Mädels oder Knaben im Verein haben, die beim Schützenfest mit­ma­chen?   → Achwo – es gibt doch jede Menge Altschützinnen und Schützen im Quartier, und sicher auch unter den Mit­gliedern des Quartiervereins.

Aber warum gibt es bei uns noch so gut wie keine Berichte über eine der wich­tig­sten Lokalitäten im Quartier, wo jährlich mit dem Knabenschiessen wohl das be­kann­teste Schützenfest der Schweiz ein­schliesslich Chilbi stattf­in­det? → Die Antwort lautet: "Ich weiss es einfach nicht."

Fakt ist, dass das Albisgüetli ein be­deu­ten­der Ort für den Zürcher Schiess­sport, traditionelle Vereinsanlässe und städ­ti­sche Volkskultur ist. Deshalb möchte ich heute den Anfang wagen, und eine erste Einführung übers Albis­güetli geben.

Schützengesellschaft Zürich und die Schiessanlage Albisgüetli

Im Jahr 1898 zog die Schützen­ge­sell­schaft der Stadt Zürich vom Sihlhölzli ins damals neu erbaute Schützenhaus am Fuss des Üetliberges. Seit 1899 findet das jährliche Zürcher Knaben­schies­sen – eines der be­kann­tes­ten Volksfeste Zürichs – auf dem Gelände statt.

Die Verlängerung der Tramlinie von der Sihlbrücke zum heutigen Endhalt «Albisgüetli» im Jahr 1907 wurde durch die Schützengesellschaft finanziert – vermutlich, weil die Stadt damals noch nicht in Geld schwamm. Den Schützen war es auf Dauer verständlicherweise zu mühsam, die etwa zwei Kilometer einschliesslich etwa 90 Höhenmeter zu gehen, um die Schiessanlagen zu er­reich­en.

Der 1963 gebaute Betonbau mit den Schiessständen
Der 1963 gebaute Betonbau mit den Schiessständen

Die Schiessanlage Albisgüetli am Ende der Üetlibergstrasse ist eine der tra­di­ti­ons­reich­sten und grössten Schiess­anlagen der Schweiz. Im Jahr 1963 wurde der alte Schiessstand durch einen grossen Betonbau mit neuen Anlage für alle modernen Schiess­dis­zi­pli­nen ersetzt. Die Anlage galt damals als eine der modernsten der Schweiz: 120 Schei­ben auf 300 m und 62 Schei­ben auf 50 m waren für die Zeit aussergewöhnlich gross di­men­si­on­iert. Später kam noch die 25-m-Pistolen­anlage dazu. (SGZ). Heute umfasst die Anlage Schiessstände für:

  • Gewehr 300 m

  • Gewehr 50 m

  • Pistole 25/50 m

  • Luftdruckwaffen

Eingangsrampe zur Stadtjugendmusik
Eingangsrampe zur Stadtjugendmusik

Seit dem Umbau im Jahr 2007 be­fin­den sich im dritten Geschoss des Gebäudes keine Schiessstände mehr. Hier ist die Stadtjugendmusik Zürich untergekommen. Ausserdem findet man in diesem Ge­schoss die öffentlich zugängliche Panorama­-Stube mit Blick über Zürich (Swiss-Architects).

Die Panoramastube oben links
Die Panoramastube oben links

Die Firma Ecosens fand in ihrem von 2021 bis 2022 im Auftrag von Grün Stadt Zürich durchgeführten Projekt heraus, dass die Bodenbelastungen im Bereich der Schiess­anlagen be­trächt­lich sind. Auf einer Fläche von rund 6.5 Hektar wurden vor allem Bela­stun­gen mit Blei festgestellt, die auf das langjährige und viele Schiessen zurück­zu­führen sind. Die Kosten für die Altlasten­sanierung werden auf rund 20 Millionen Franken beziffert. Ob und wann die Sanier­ung in An­griff ge­nom­men wird, liess sich auf der Website von Ecosens nicht heraus­finden.

Das Schützenhaus Albisgüetli mit Festsaal und Gasthaus

Das Schützenhaus vom Üetliberg herab kommend
Das Schützenhaus vom Üetliberg herab kommend

Gleich neben den Schiessanlagen findet sich das Schützenhaus und gehört zu den bekann­te­sten hi­sto­ri­schen Gaststätten der Stadt. Viele verwechseln das historische Gebäude mit Turm, Restaurant und Fest­saal mit der eigentlichen Schiess­anlage. Ob es im Gebäude deswegen schon zu Schiessereien gekommen ist, ist mir aller­dings nicht bekannt.

Das Schützenhaus wurde 1897–1898 von den Architekten Richard Kuder und Josef Müller im historistischen Stil erbaut. Chara­k­teristisch sind die burg­ähn­li­che Archi­tek­tur, der grosse Fest­saal (mit Platz für bis zu 1’200 Per­sonen) und die Nähe zur Schütz­en­tra­di­ti­on Zürichs. Die letzten um­fang­rei­chen Sanierungen und Restaurie­rung­en erfolgten im Jahr 2019.

Das Restaurant gibt sich familien­freund­lich und verfügt über Spielbereiche sowie Sonn­tags­­brunch-Angebote. Das Gasthaus ist bekannt für traditionelle Schweizer Küche wie Zürcher Ge­schnet­zel­tes, Kalbsleber und Tafel­spitz – offen­sicht­lich kein Para­dies für Veganer. Nach einem kur­zen Blick auf die Speise­karte könnte ich im­mer­hin das Ofenkürbis-Gericht essen, und Mitt­woch z'Mittag gibts sogar «Planted Ge­schnet­zeltes nach Zürcher Art auf Nudel-Schnitt­lauch­nest».

Blick Richtung Restaurant-Eingang und Turm
Blick Richtung Restaurant-Eingang und Turm

Das Schützenhaus ist auch ein be­lieb­tes Lo­kal für private Anlässe. Be­kannt ist es aber vor allem durch diverse Gross­­­ver­an­stal­tun­gen, darunter inter­na­ti­on­ale Coun­try-Music-Festivals, andere Konzert­­reihen und – wie schon erwähnt - die jähr­liche «Albis­güetli-Tagung» der SVP, bei der höch­stens mit scharfen Worten geschossen wird.

Der Platz im Festsaal für 1’200 Per­so­nen reicht übrigens nicht aus, um alle Mit­glie­der des Quartiervereins unter­zu­bring­en. Da muss das Schützen­haus noch anbauen.


Text und Fotos: Andreas Schenzle

Recherche und Bereitstellung von Informationen: Andreas Wäfler

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