Grad noch rechtzeitig hat sich der Himmel am Samstag, 27. September 2025 noch aufgehellt. Die Regenspritzer vom Vormittag waren zu Ende, Sonnenstrahlen drückten durch. Beim Tramdepot Kalkbreite herrschte bereits eine halbe Stunde vor der angesagten Tramtaufe ein reges Kommen und Gehen. Vier Quartiervereine waren von den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) eingeladen worden zur Taufe der neuen Flexity-Trams. Vier Quartiere aus der Südwestecke der Stadt Zürich. Gegen 100 Personen fanden sich schliesslich in der Kalkbreite ein – aus dem Triemli, aus Aussersihl-Hard, dem Industriequartier und Wiedikon. Mit etwas Verspätung begrüsste Stadtrat Michael Baumer, Vorsteher der Industriellen Betriebe, die hoffnungsvoll wartenden Gäste. Baumer erläuterte routiniert den Ausbau des öffentlichen Verkehrs in den letzten Jahrzehnten und betonte die Wertschätzung der VBZ für die Stadtwappen der 25 Quartiere. Der Quartierverein Triemli, der kleinste der anwesenden Vereine, hatte die beste Idee, indem er gleich einen Fähnrich mit der Triemli-Fahne gut sichtbar im Hintergrund platzierte. Urs Rauber vom Quartierverein Wiedikon verdankte im Namen der vier Quartiere die Einladung der VBZ, korrigierte aber die beschönigende Aussage der Trambetriebe, sie habe «schon immer» eine Liebe zu Quartierwappen gepflegt. «Wir erinnern uns gut an das Jahr 2021, als die alten 2000er Trams mit schönen Wappen ausgemustert wurden. Damals baten wir die Verantwortlichen vergeblich, auch die neuen Trams mit Quartierwappen zu schmücken. Man wollte nichts davon wissen.» Erst als der Zürcher Gemeinderat auf Wiediker Initiative hin ein entsprechendes Postulat von Samuel Balsiger und Stephan Iten überwiesen hatte, «haben die Trambetriebe umgeschwenkt». Heute rühme sich die VBZ auf ihrer Website gar: «Die Zusammenarbeit mit den Quartiervereinen ist für uns die einzige clevere Möglichkeit, auf die Lokalbevölkerung zuzugehen, wenn es um lokale Anliegen geht.» «Was für ein kluger Satz», kommentierte Rauber augenzwinkernd und äusserte die Hoffnung, dass auch andere Verwaltungsabteilungen «und – pardon – auch der Stadtrat» diese Erkenntnis beherzigen sollten. Danach aber ging’s in Minne weiter. Der neue VBZ-Direktor Martin Sturzenegger richtete ebenfalls das Wort an die Taufgemeinde. Dann begann das Taufritual für alle vier Quartiere. Erst rollte das Wiediker Tram herein. Die Züri-Fahne wurde vom 14er herunter genommen, dann begossen Stadtrat Baumer und Quartiervereinspräsident Rauber den eleganten neuen Tramzug mit frischem Züri-Wasser. Anschliessend durften sich die Gäste aus jedem Quartier zur Gruppenfoto versammeln. Sodann das Tram besteigen für eine kleine Spritzfahrt durch die Elisabethenstrasse, das gegenüberliegende Tramdepot, die Kalkbreite- und die Badenerstrasse zurück ins Depot Kalkbreite. Die Passagiere, vor allem die Kinder, genossen diese Fahrt sehr. Bemerkenswert war, dass die VBZ die vorne angebrachten Blumenbuketts dezent in den Quartierfarben zusammengestellt hatte: Wiedikon in rot, blau, weiss und gelb, Triemli in blau-gelb sowie Aussersihl-Hard und Industrie in grün-weiss (eigentlich schwarz-weiss). Die gelungene Feier erinnerte an die letzte derartige Tramtaufe vor 47 Jahren (1978) beim Bahnhof Wiedikon. Ein ehemaliger Teilnehmer hatte dem Wiediker Quartiervereinspräsidenten erzählt: «Damals haben wir Kinder des Schulhauses Bühl das Tram mit dicken Tauen aus dem Depot Elisabethenstrasse gezogen. Wir waren begeistert, als sich das Fahrzeug langsam bewegte.» Erst später hätten die Kinder festgestellt, dass ein Tramchauffeur im Führerstand das Tram langsam im Schritttempo angetrieben habe. «Ein hübscher kleiner Trick der VBZ hinter den Kulissen.» Die Episode ist in einem früheren Beitrag des Quartiervereins Wiedikon beschrieben, zusammen mit einem nostalgischen Rückblick auf die 2000er Trams von Peter Specker («Ein Wehmutstropfen für das Wiediker Tram 2012»). Zum Schluss offerierte die VBZ einen grosszügigen Raclette-Apéro mit Weisswein und anderen Drinks, den die Anwesenden freudig genossen und verdankten. Jeder Quartierverein erhielt zum Schluss zudem eine offizielle Haltestelletafel mit Wappen, das Blumenbukett sowie eine Originalkaraffe, mit der das jeweilige Tram getauft wurde. Vielen Dank, liebe VBZ und lieber Stadtrat Michael Baumer, für die würdige Tramtaufe. Sie wird uns allen in schöner Erinnerung bleiben – für die nächsten 47 Jahre.