top of page

Was ist los auf der Aemtlerwiese?

  • Mitarbeiter des KITQV Support
  • 22. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Im Januar 2025 haben wir über die geplante Sanierung des Aemtler Schulhauses berichtet («Aemtler Schulhaus wird saniert»). Schulpräsidentin Katrin Wüthrich hatte das umfassende Instandstellungs- und Sanierungsprojekt vorgestellt, zusammen mit Vertretern des Amts für Hochbauten, von Immo Zürich und Grün Stadt Zürich. Die nach Plänen von Gustav Gull 1908 im Gründerstil errichtete Schulanlage sollte erweitert, saniert und energetisch aufgerüstet werden. Für letzteres war die Erschliessung eines Erdsondenfelds auf einem Teil der Aemtlerwiese südwestlich des Schulhauses vorgesehen.

Im August starteten die Bauarbeiten, die bis spätestens 2032 abgeschlossen sein sollen. Doch bereits nach drei Wochen wurden diese abgebrochen. Am 11. September 2025 transportierte die Baufirma Suter Zotti AG die Bagger wieder ab. Am Eingang des verwaisten Baufeldes steht nun eine grosse Informationstafel mit dem unübersehbaren Hinweis: «Baustopp infolge Rekurs». Was ist passiert?

Gemäss einem Bericht von Pete Mijnssen im Newsletter des Quartiernetz3 hat ein Anwohner gegen die Baubewilligung wegen «unzureichender Ausschreibung» rekurriert. Da das Baurekursgericht dem Rekurs eine aufschiebende Wirkung erteilt habe, stehe die Baustelle bis zum Vorliegen eines neuen Gerichtsentscheides still. Im Dezember solle es eine Begehung geben. Lesen Sie dazu den ganzen Bericht des Quartiernetz3 vom 16. September 2025.

Eine Woche später, am 22. September, verteilte das Hochbauamt eine Mitteilung «an die Anwohnenden der Schulanlage Aemtler». Darin ist die Rede von mehreren Rekursen. «Wir sind mit Hochdruck daran, die Auswirkungen der Rekurse zu analysieren. Es ist zurzeit aber zu früh, um diesbezügliche Aussagen machen zu können,» schreibt die zuständige Projektleiterin Simone Retter. Eine Antwort, die die Stadt Zürich immer dann verwendet, wenn sie in Rechtsverfahren verwickelt ist. Gegenüber dem Quartierverein präzisiert sie noch, dass zwei Rekurse eingegangen seien.

Stutzig macht die Selbstgewissheit, mit der das Amt für Hochbauten noch im Juli 2025 in einer Mitteilung an die Anwohnerschaft geschrieben hatte: «Sämtliche Installationen und die Organisation der Baustelle sind mit den zuständigen Behörden abgesprochen und entsprechen den gesetzlichen Vorgaben.» Doch bereits zwei Monate später wird alles gestoppt. Entsprach also doch nicht alles den Vorgaben? Rekurrent M.R., der selbst Architekt ist, erklärt gegenüber dem Quartierverein, es sei «weder eine Baueingabe noch eine rechtskräftige Baubewilligung vor dem Baustart erfolgt». Anders Projektleiterin Retter: «Das Baubewilligungsverfahren für die Erdwärmesonden erfolgte korrekt im Meldeverfahren.»

Darüber kann Kreis 3-Gemeinderat Flurin Capaul nur den Kopf schütteln: «Unglaublich, dass die Stadt es nicht schafft, ihre eigenen Regeln einzuhalten.» Eine hochkarätige Juristin ergänzt: «Wenn eine Verfügung für einen Baustopp erlassen wird, müssen offensichtliche Verfahrensfehler vorliegen. Für die Stadt wäre das sehr peinlich.» Lenkt der dicke Vermerk «Baustopp infolge Rekurs» eventuell von eigenem Versagen ab? Müsste es eher heissen: «Baustopp infolge unzureichender Bewilligung»?

Ein kurzer Blick zeigt, dass die Aemtlerwiese seit Jahren Gegenstand verschiedener Konflikte im Quartier ist. Vor einem Jahrzehnt waren in der Zivilschutzanlage unter der Sportwiese Asylbewerber durch die Asylorganisation Zürich einquartiert worden. Diese Unterbringung stiess in der Nachbarschaft auf wenig Begeisterung, teils auf Unverständnis und offene Ablehnung. Im Jahr 2016 hat die Stadt dann diese Unterkunft geschlossen beziehungsweise verlegt.

Später geriet der frei zugängliche Sportplatz wegen starker Nutzung respektive Übernutzung zum Streitfall zwischen Anwohnern, jugendlichen Sport- und Spielgruppen sowie «externen» Mannschaften, die oft abends und am Wochenende den Platz inklusive Grill- und Verpflegungsaktivitäten in Beschlag nahmen. Die Nutzungsfragen wurden in den Jahren 2016 bis 2020 jeweils am «Runden Tisch Aemtler» besprochen und bereinigt. In dieser Gesprächsrunde sassen Vertretungen von Primarschule, Hort, Anwohnerinnen und Anwohner, Quartierverein Wiedikon, Quartiernetz 3 sowie der Stadtverwaltung (Grün Stadt Zürich, Immo Zürich und Stadtpolizei). Dennoch eskalierten während der Corona-Zeit Probleme mit Jugendlichen, die ihre physische und psychische «Eingrenzung» schlecht ertrugen und sich mit niederschwelligen Gewaltakten Luft verschafften. Auch ein Teil der Störungen auf dem benachbarten Friedhof Sihlfeld sind auf den zeitweiligen «Hotspot Aemtler» zurückzuführen.

Im August 2020 hob das Sicherheitsdepartement der Stadt Zürich unter Leitung von Stadträtin Karin Rykart in einer Blitzaktion diesen Runden Tisch auf. Im September 2020 wurde zwar ein Versprechen abgegeben, dass sich der Stadtrat künftig «einmal jährlich im Frühjahr mit den Anwohnenden und dem Quartierverein treffen» wolle. Es wurde bloss ein einziges Mal eingehalten: im Frühjahr 2021. Danach ist der Runde Tisch eingeschlafen, um nicht zu sagen eingeschläfert worden.

Neu beschäftigt nun neben Lärm- und Nutzungsproblemen eine unzureichende Bewilligung die Anwohnerschaft rund um die Aemtlerwiese. Sie ist allerdings nicht zwei Rekurrenten anzulasten, sondern der mangelhaften Erledigung eigener Hausaufgaben.

Kommentare


bottom of page