top of page

Von Wiedikon nach New York City

  • Autorenbild: Quartierverein Wiedikon
    Quartierverein Wiedikon
  • 15. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Geht man von der Kalkbreite in Richtung Goldbrunnenplatz, sieht man schon aus der Ferne an der Kreuzung Kalkbreitestrasse/Seebahnstrasse eine imposante Wandmalerei, die sich über die gesamte fünfstöckige Fassade erstreckt. Farbenfroh und verspielt verdrängt sie das Betongrau, das einen normalerweise an Gebäuden angähnt.



«Flow» heisst das meterhohe Kunstwerk, das vom Künstler Oibel1 (sprich: Oibel one) stammt. Oibel1, der mit bürgerlichem Namen Samora Bazarrabusa heisst, ist in Zürich aufgewachsen und kam bereits als Kind mit dem kreativen Schaffen in Berührung. Sein Vater, der bekannte Trickfilmzeichner Rolf Bächler, hatte das Atelier im Haus, in dem Samora aufwuchs. Seine Mutter, die aus Uganda stammt, töpferte und machte Patchwork.



Auf Worte folgen Bilder

Obwohl Bazarrabusa früh das Malen als bevorzugte künstlerische Ausdrucksform für sich entdeckte und es ihn begleitete, wurde er in den 2000er Jahren zuerst als Mundart-Rapper bekannt. Unter dem Namen Samurai prägte er massgebend die Zürcher Hip-Hop-Szene, seine Texte auf Schweizerdeutsch liessen aufhorchen. Vier veröffentlichte Alben, Konzerte in der ganzen Schweiz und eine eigene Radioshow zierten seine Rap-Karriere. Auch wenn er als Mundart-Rapper anhaltend künstlerischen Erfolg erzielte, beschloss Bazarrabusa, seine Rap-Karriere an den Nagel zu hängen. Er fühlte sich in der sprachlichen Ausdrucksweise limitiert, da er mit Mundart-Rap nicht alle erreichen könne. «Ich hatte mit Rap alles gesagt, was ich zu sagen hatte, und wollte mich nicht nochmals mit denselben Aussagen wiederholen», sagt er. Das Malen ermögliche ihm, mit allen zu kommunizieren. «Ein Bild gefällt dir oder es gefällt dir nicht, es gibt keine Sprachbarrieren.»



Mit seinen Bildern könne er tiefere Gefühle ausdrücken, die ihm mit Worten nicht in derselben Klarheit gelingen würden. Das Malen ist für Bazarrabusa ein Lebenselixier. Er brauche das Malen, um das Leben mit all seinen positiven und negativen Seiten zu erfahren. Er selbst bezeichnet seinen Schaffensprozess als «Müssen». Ein Antrieb, um mit sich und der Welt in eine Balance zu gelangen. Ihn treibt auch die ständige Frage um, wie er Dinge anders machen könnte, um Neues zu kreieren und sich nicht zu wiederholen.


Künstler Oibel1
Künstler Oibel1

Wandmalerei «Flow» in Wiedikon
Wandmalerei «Flow» in Wiedikon















Lichtshow am Zürcher Grossmünster
Lichtshow am Zürcher Grossmünster















Die Kunst gibt ihm Freiraum, sich auszudrücken, wie er will, ohne dass er vorsichtig sein muss. «Sage ich etwas mit Worten, muss ich nuanciert sein, damit sich niemand angegriffen fühlt. In der Kunst kann ich auch derb sein, weil die Kunst mir diesen Freiraum gibt.» 



Familie, Haushalt, Sport

Bazarrabusa lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Wiedikon. Wie bei vielen Familien beginnt der Tag mit der Zubereitung des Frühstücks für die Kinder. Sobald die Kinder auf dem Weg zur Schule und seine Frau auf dem Weg zur Arbeit sind, kümmert er sich um anfallende Haushaltsarbeit, gefolgt von etwas Sport. Anschliessend geht er in sein Atelier, das sich ebenfalls im Haus der Familie befindet. «So läuft mein idealer Tag ab. Aber natürlich kommt auch öfters mal was dazwischen», sagt Samora lachend.



Über die Jahre verlief der Weg seiner Kunst vom Atelier auf immer grössere Bühnen: eine Lichtshow am Zürcher Grossmünster zum Jahreswechsel, ein limitiertes Flaschendesign für die Smoothie-Marke True Fruits, ein offizielles Plakat und Artwork für die Street Parade sowie das Kunstwerk «Gateway», das am New York Times Square auf einer riesigen Digitalanzeige geschaltet wurde.


Sticker-Installation in Sihlcity
Sticker-Installation in Sihlcity
Artwork «Gateway» am Times Square
Artwork «Gateway» am Times Square

Einen grossen Einfluss auf seine Kunst hat der amerikanische Streetart-Künstler Keith Haring. In den 1980er Jahren arbeitete Bazarrabusas Vater Rolf Bächler mit Keith Haring an einem Projekt, und so kam es, dass Haring immer wieder mal in Zürich zu Besuch war und mit der Zeit zu einem Freund der Familie wurde. «Haring war in seiner Kunst so vielfältig, er beschränkte sich nicht nur aufs Malen. Auch ich habe noch viele weitere Ideen, auch im digitalen Kunstbereich», erklärt Bazarrabusa.



Man darf gespannt sein, was die Zukunft für Oibel1 bereithält. Oder vielmehr, was Oibel1 für die Zukunft bereithält.





Instagram: @oibelart

bottom of page