Tiergarten wird saniert
- Mitarbeiter des KITQV Support
- 3. Juli 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Tagen






Nein, hier geht’s nicht um den Zürich Zoo. Sondern um die bekannte Wohnsiedlung Im Tiergarten zwischen Friesenberg-, Talwiesen-, Bühlstrasse und SZU (Uetlibergbahn). «Am Montag, 30. Juni fahren die ersten Lastwagen und Baumaschinen in den Tiergarten und verwandeln einen Teil der Siedlung in eine Baustelle. Es geht los!» So kündigte die Immobilienbewirtschafterin Plazza AG das grosse Sanierungsprojekt der Tiergartensiedlung an. Vorausgegangen waren drei «Dialog-Tage» mit der Mieterschaft: im Sommer 2024, im November 2024 und im März 2025. Dabei habe man nicht nur «die lauten Stimmen gehört, sondern auch die leisen», erklärt Plazza-CEO Thomas Casata gegenüber dem Quartierverein Wiedikon.
In der Tat gehört die Tiergarten-Sanierung zu jenen Grossbaustellen in Zürich, die nicht von Lärm und Hektik begleitet sind wie etwa die «Sugus-Häuser», sondern erstaunlich geräuschlos über die Bühne gehen. Erst ein Artikel der «Neuen Zürcher Zeitung» anfangs Juni machte auf das Umbauprojekt aufmerksam. Er hob jedoch einen Nebenaspekt hervor: Anstelle der bisherigen Schindler-Lifte sind neu 46 Aufzüge des finnischen Liftherstellers Kone AG eingebaut worden. Das stifte «Unruhe im Schindler-Land», schrieb NZZ-Reporter Benjamin Triebe. Mit diesem Coup hat der zweitgrösste Liftbauer der Welt den Schweizer «Lokalmatador» Schindler aus Ebikon (LU) ausgestochen.
Der finnische Liftbauer ist stolz auf seine Leistung. Die Tiergarten-Sanierung sei eines seiner grössten Modernisierungsprojekte. Der Austausch von «46 veralteten Aufzügen eines Mitbewerbers» habe nur 18 Monate gedauert und die Ausfallzeit der einzelnen Lifte sei durch minuziöse Planung auf ein Minimum reduziert worden, sagt René Risi, Verkaufschef Schweiz der Kone AG, zur NZZ. «Wir mussten zeigen, dass wir das besser können als der Platzhirsch.»
Was ist beim Kone-Lift besser als bei einem Schindler-Aufzug, will der Quartierverein wissen. Dazu Risi: «Unser grosser Vorteil ist, dass die Steuerung und der Motor des Lifts in derselben Firma quasi aus einer Hand gebaut werden. Wir haben ein Modell ohne Kinderkrankheiten, weil Kone in Finnland alles selbst zusammenbaut.» Bei Konkurrenten könnten oft Ersatzteile nicht mehr geliefert werden, was gemäss NZZ im Tiergarten der Fall war. In die leicht grössere Kone-Kabine MonoSpace 500 DX passen fünf statt vier Personen und die Nutzlast ist von 320 auf 480 Kilogramm erhöht worden. Lesen Sie hier den Artikel in der NZZ vom 2. Juni.
Die Tiergarten-Sanierung umfasst gut 460 Wohnungen in einem privilegierten Grüngürtel von Wiedikon. Erneuert werden Küchen, Bäder und Sanitärstränge, die aus den 1980er und 1990er Jahren stammen. Zudem werden neue Fenster eingebaut, die Wohnungen energetisch saniert, Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern installiert und – auf Wunsch vieler Bewohner – mehr Veloabstellplätze geschaffen. Auch der Aussenraum wird neu gestaltet: Plazza verspricht mehr Grün.
Die neuen Mietzinsen sind zwar noch nicht bekannt. Doch in ihrem Infoblatt vom März betont die Eigentümerschaft, dass sie sich strikt an das Mietrecht halte und nur wertvermehrende Investitionen – etwa 60 Prozent der Sanierungskosten – auf die Mieten umlege. Stand heute geht sie von einer Erhöhung des Quadratmeterpreises von CHF 8.20 bis 9.00 aus. Das ergibt für eine 2.5 Zimmerwohnung von 60 m2 einen Mehrpreis von CHF 492 bis 540 pro Monat. Bei einer 3-Zimmerwohnung von 75 m2 beträgt die Erhöhung CHF 615 bis 675 und bei einer 4.5-Zimmerwohnung von 107 m2 CHF 877 bis 963. Damit fällt der Aufschlag für langjährige Mieter mit tiefen Mietzinsen prozentual höher aus als für Neumieter mit höheren Anfangsmieten. Dadurch wird der Abstand zwischen alten (tieferen) und neuen (höheren) Mieten etwas verringert.
Plazza beziffert das Investitionsvolumen auf rund 120 Millionen Franken. Für Mieter, die in der Siedlung bleiben wollen, finanziell aber in Schwierigkeiten geraten, bietet sie Hilfe an. Für die Einschränkungen während der Bauzeit wird eine Inkonvenienzentschädigung in der Höhe von etwa anderthalb Monatsmieten in Aussicht gestellt. All dies erklärt, warum diese Hausrenovation so verläuft, wie es bei Genossenschaften und vielen kleineren Liegenschaften passiert: möglichst geräuschlos, obwohl mit (zeitlich begrenzten) Einschränkungen verbunden. Denn die Aussicht auf eine aufgefrischte, erneuerte und aufgewertete Wohnung soll ja nicht nur Ärger, sondern vor allem Freude und Wohlbefinden auslösen.
Mehr ist demnächst auf dieser Website zu erfahren: zukunft-tiergarten.ch
Fotos: Kone Schweiz, Plazza AG, Baublatt




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