Vage Aussagen macht der Stadtrat zu Drogenkonsum, Velofahren, Lärm und Littering. Zwar hält er auf Papier fest, dass diese Tätigkeiten verboten seien. Doch warum wurden die alten Regeln abmontiert: «Sie betreten einen Friedhof – bitte bedenken Sie, dass dies ein Ort der Ruhe ist! Wir bitten Sie, Ihr Fahrrad zu stossen, sich ruhig zu verhalten, keinen Abfall liegen zu lassen»? Kein Trauernder, aber auch kein Partygänger und keine Velofahrerin tragen den Stadtratsbeschluss bei sich, wenn sie den Friedhof betreten. Im Gegenteil gilt in Zürich: Was nicht ausdrücklich verboten ist, wird stillschweigend toleriert. Doch zahlreiche Friedhof-Besuchende finden es himmeltraurig, wenn Regeln nicht mehr durchgesetzt und Regelverstösse stillschweigend geduldet werden. Eine einzige neue – sinnvolle – Massnahme hat das Bestattungs- und Friedhofamt (BFA) eingeführt, nämlich die Schliessung der Toiletten von abends 17 Uhr bis morgen 7 Uhr. Damit wird der Cruising-Szene (anonymer Sex unter Männern) auf dem Friedhof wenigstens nachts etwas Einhalt geboten. Doch hat diese Toilettenschliessung, wie uns Trauernde berichten, eine Kehrseite: «Weil bei den Herren-WC die Kabine geschlossen ist, wird das Geschäft ins Pissoir verrichtet.» Oder ins Gebüsch, wie eine andere Friedhofbesucherin beobachtet hat. Der Quartierverein führt eine Chronik der Zuschriften zum Friedhof Sihlfeld – sie enthält mittlerweile (Januar 2025) über 150 Statements und kann bei uns angefordert werden. Am Schluss seiner Antwort lässt der Stadtrat die Katze aus dem Sack: «Gleichzeitig sollen die Friedhöfe der Bevölkerung auch für eine dem Ort angemessene Erholungsnutzung zur Verfügung stehen.» Dies sei mit dem in der Volksabstimmung vom 1. Dezember 2021 genehmigten kommunalen Richtplan so festgehalten. Alt Bundesrichterin Brigitte Pfiffner kritisiert diese Sicht entschieden: «Der Friedhof Sihlfeld hat eine nationale Bedeutung. Der Denkmalschutz schützt ihn und die dort beigesetzten Toten in ihren Grundrechten. Ein Friedhof kann und darf nicht in einen Freizeitpark umgewandelt werden.»