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Präsidiumswechsel (Verjüngung) und Nein zum Subventionsvertrag

  • Autorenbild: Büchel Celine
    Büchel Celine
  • 31. März
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 22 Stunden


Eröffnungskonzert des Harmonika Clubs «Stadt Zürich»
Eröffnungskonzert des Harmonika Clubs «Stadt Zürich»













Abstimmung per rosa Stimmkarte, klare Verhältnisse im Saal
Abstimmung per rosa Stimmkarte, klare Verhältnisse im Saal

Nun ja, wir sprechen gerade mal von sieben Jahren: So gross ist der Altersunterschied zwischen dem bisherigen Präsidenten Urs Rauber und seinem Nachfolger Josef «Sepp» Widler. Und doch steht dieser Wechsel sinnbildlich für eine breitere Entwicklung im Quartierverein Wiedikon – denn im Gesamtvorstand zeigt sich eine klare Verjüngung, mit einem jüngsten Mitglied von gerade einmal 21 Jahren. Die 110. Generalversammlung (GV) fand am 26. März 2026 im Johanneum an der Aemtlerstrasse in Zürich statt.



Aber ganz von vorne. Auch dieses Jahr wurde die GV mit einem stimmungsvollen Eröffnungskonzert eingeläutet. Diesmal spielte der Harmonika Club «Stadt Zürich» unter der Leitung von Isabelle Meier-Wild. Und obwohl bereits im letzten Jahr Rekorde gebrochen wurden, konnte dieses Jahr nochmals zugelegt werden: Mit 189 stimmberechtigten Mitgliedern und 12 Gästen wurde ein neuer Bestwert erreicht.  



Auch die Mitgliederzahl hatte sich weiter positiv entwickelt und war auf 1’391 gestiegen, das sind 118 mehr als im Vorjahr. Weitere Höhepunkte des Vereinsjahres waren der Familienausflug mit Rheinschifffahrt und Salinen-Besuch, die Besichtigung des Uetlihofs (inkl. E-Mail-Verkehr mit UBS-VR-Präsident Colm Kelleher), das Quartierrätsel für Familien, das erste Wiediker Herbsttreffen mit der Zunft zu Wiedikon sowie der Start des Pilotprojekts Netto Null in Alt-Wiedikon/Binz.



Kassier Flurin Capaul präsentierte die wichtigsten Zahlen der Jahresrechnung 2025. Es ist eine schwarze Null. Der Verlust von rund CHF 5’878 ist vor allem auf das Engagement Brupbimärt zurückzuführen.  

Verabschiedung von Vorstandsmitgliedern

Roland Scheck, langjähriges Vorstandsmitglied und Vizepräsident, wurde von Urs Rauber gewürdigt. Neben IT war er auch verantwortlich für die 1.-August-Feier, den Brupbimärt und vieles mehr. Besonders betont wurden seine ausserordentliche Loyalität, sein Pflichtbewusstsein und seine grosse Leistungsbereitschaft für die Freiwilligenarbeit.  



Doris Egli war sechs Jahre lang für Events zuständig. Ein Ressort, das zu ihrer Hilfsbereitschaft, ihrem Optimismus und ihrer Herzlichkeit absolut passte.



Maria Giannoccolo führte die Mitgliederverwaltung. Zusätzlich initiierte sie eine Raumpatenschaft mit Entsorgung und Recycling Zürich, die sich inzwischen vom Aegertenspielplatz bis zur Kollerwiese ausgeweitet hat. 


Laudatio von Flurin Capaul für Urs Rauber
Laudatio von Flurin Capaul für Urs Rauber












Verdienter Applaus für Urs Rauber
Verdienter Applaus für Urs Rauber



Symbolbild Geschenk für Urs | HINWEIS (generiert mit ChatGPT)
Symbolbild Geschenk für Urs | HINWEIS (generiert mit ChatGPT)



Eine über 15-minütige Laudatio hielt zum Schluss Flurin für Urs. Ein Beispiel daraus, das seine Arbeit als Präsident charakterisiert.



Orell Füssli zahlt, der Quartierverein stellt die Manpower, so war der initiale Plan. Planung, Budget und Arbeitsverteilung wurden zwischen dem Quartierverein und der altehrwürdigen Firma perfekt organisiert – fast schon so, dass Orell Füssli leicht überfordert wirkte. Doch während der QV bereits Toi Toi bestellte und das Absperrungskonzept für das 500-jährige Jubiläum von Orell Füssli organisierte, haderte man dort noch mit dem Budget, das eher bei 300 als bei CHF 30’000 lag. Die Geschichte, dass der Konzern den QV günstig arbeiten liess, ohne das Fest wirklich mitzutragen, landete sogar im Klatschblatt «Inside Paradeplatz». Und so kam es, dass nicht nur der CEO, sondern auch ein Grossinvestor von Orell Füssli mit Urs essen gehen wollte. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass ein Ehrenamt genauso professionell funktionieren kann wie eine grosse Firma.  



Neben seinem unermüdlichen Einsatz hat Urs auch unzählige Online-Artikel für die Website verfasst, praktisch im Wochentakt. Inhalte wurden gar von der NZZ übernommen, auch mal ohne Quellenangabe. In guten wie in schwierigen Zeiten hatte Urs stets den nötigen Drive. Er hat mit uns diskutiert, gestritten, aber immer lösungsorientiert gehandelt und manchmal auch den Mut gehabt zu sagen: Das machen wir jetzt einfach. Am Ende stand der ganze Saal auf und applaudierte sehr lange.

Verjüngung von Präsidium und Vorstand

Alter und neuer Vorstand (nicht vollständig): Flurin Capaul, Peter Suter, Anton Auer, Andreas Madlener, Karoline Wirth, Jeanne Rasata, Sepp Widler, Urs Rauber, Céline Büchel
Alter und neuer Vorstand (nicht vollständig): Flurin Capaul, Peter Suter, Anton Auer, Andreas Madlener, Karoline Wirth, Jeanne Rasata, Sepp Widler, Urs Rauber, Céline Büchel

Sepp Widler, seit rund 8 Jahren im Vorstand, wurde danach glänzend als Präsident gewählt. Bekannt als Arzt, Kantonsrat und ehemaliger Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft. Und nicht zuletzt dank seiner vielen Auftritte im Lokalfernsehen während der Corona-Zeit. Sepp bedankte sich für das Vertrauen und sagte, sein Ziel sei es, den Verein weiterzuentwickeln und auch jüngere Mitglieder zu gewinnen.



Der bisherige Vorstand wurde in globo bestätigt: Andreas Wäfler, Flurin Capaul, Niyazi Erdem, Peter Suter, Jeanne Rasata, Karoline Wirth, Céline Büchel und Jesca Li Wyss. Alle einstimmig ohne Enthaltungen.  



Schliesslich stellten sich vier neue Kandidierende vor: Karin Immler, mit Hintergrund Informatik und Softwareentwicklung, möchte sich insbesondere im Bereich IT und Mitgliederverwaltung einbringen. Andreas Madlener, Betriebsleiter Seniorama Burstwiese, will sich für den Austausch im Quartier engagieren. Matthias Gruic (entschuldigt), 46, Kameramann, versucht kulturelle Anlässe im Quartier zu organisieren. Anton Auer, 21, arbeitet in der sozialen Arbeit im Fachbereich Kinderschutz und Sonderpädagogik, ist engagiert als Feuerwehrmann bei Schutz & Rettung Zürich und übernimmt neu den Teamlead für IT & Jugend im Quartierverein. Sie alle werden einstimmig von der Versammlung gewählt. 



Karin Immler, neu in den Vorstand gewählt
Karin Immler, neu in den Vorstand gewählt












Andreas Madlener, neu in den Vorstand gewählt
Andreas Madlener, neu in den Vorstand gewählt












Anton Auer, neu in den Vorstand gewählt
Anton Auer, neu in den Vorstand gewählt











Wiedergewählt werden auch die beiden Revisoren Yves Keller (Filialleiter ZKB) und Orazio Zamboni (Filialleiter UBS) für zwei weitere Amtsjahre.



Kein Deal mit der Stadt: GV lehnt Subventionsvereinbarung ab

Der Vorstand des QV Wiedikon war in der Frage, ob der neu geltende Einzelvertrag mit der Stadt Zürich (Subventionsvereinbarung 2025–2028) unterzeichnet werden soll oder nicht, gespalten. Zwei fristgerecht eingereichte Anträge von Andreas Schenzle und Paul Sieber verlangten, dass die GV über dessen Annahme oder Ablehnung entscheiden solle. Mit grossem Mehr wurde diese Diskussion gewünscht, worauf Sepp Widler einen kurzen Überblick gab.



Vor der Abstimmung wurden verschiedene Pro- und Contra-Argumente ausgetauscht, obwohl das Abendessen längst bereitstand. Vielen war es wichtig, die Diskussion zu führen, auch wenn es bedeutete, später zu essen.



In der Diskussion sahen mehrere Mitglieder bei der Unterzeichnung die Unabhängigkeit des Quartiervereins in Gefahr. Andere kritisierten die zunehmende Bürokratie, die einseitige Informationspflicht sowie die faktische Abschaffung der Bargeldkasse. Eine Juristin hielt fest, dass es keine neue Rechtsgrundlage für Subventionen gebe, und ein weiteres Mitglied stellte das Demokratieverständnis der Stadtregierung in Frage. Mehrere Votanten riefen dazu auf, die Vereinbarung nicht zu unterschreiben.



Aus dem Vorstand und dem Publikum gab es auch Gegenstimmen, insbesondere mit Blick auf die finanzielle Situation des QV sowie den Wunsch nach einem konstruktiven Verhältnis zur Stadt Zürich. Die beiden Antragsteller wünschten bei einer Ablehnung, dass der Vorstand einen Teil der wegfallenden Beiträge durch eine moderate Ausgabenreduktion kompensiere. Zudem könne ein Teil der wegfallenden Gelder durch eine Erhöhung des Mitgliederbeitrags um CHF 10 gedeckt werden.



Die Antragsteller Andreas Schenzle und Paul Sieber zur Subventionsvereinbarung 2025 bis 2028
Die Antragsteller Andreas Schenzle und Paul Sieber zur Subventionsvereinbarung 2025 bis 2028














Der neu gewählte Präsident Sepp Widler
Der neu gewählte Präsident Sepp Widler













Die Schlussabstimmung ergab folgendes Resultat: 88 Stimmen für Nicht-Unterzeichnen, 76 Stimmen für Unterzeichnen und 23 Enthaltungen. Damit folgt der Quartierverein Wiedikon dem Nachbarquartier Altstetten, das den Subventionsvertrag ebenfalls abgelehnt hatte. Eine ähnliche Diskussion läuft in Wipkingen und im Quartierverein 5 (Industrie).  



Unter dem Traktandum Mitgliederbeiträge wurde schliesslich ab dem Vereinsjahr 2027 der Beitrag für Einzelmitglieder mit grosser Mehrheit von CHF 20 auf CHF 30 angehoben. Das bedeutet, dass ab nächstem Jahr die Hälfte der wegfallenden städtischen Gelder aus eigener Kraft gestemmt werden kann.   



Obwohl die GV deutlich länger dauerte als geplant, begrüssten viele, dass ein so grundlegendes Thema ausführlich diskutiert wurde. Einige meinten sogar, dass ihnen eine solch lebhafte Diskussion im Vorjahr gefehlt habe.


Zum Ausklang Spoken Words mit Wiediker Seele


Spoken Words aus dem Friesenberg
Spoken Words aus dem Friesenberg

Stefanie Grob gilt als schnellste Bernerin der Welt. Mit unglaublichem Wort-pro-Minute-Tempo brachte die Spoken-Word-Literatin zum Abschluss der GV ihre Texte mit lokalem Kolorit auf die Bühne.



So zeigte sie in ihrem Stück «Was ist Glück?», wie vielseitig Glück sein kann: am Morgen aufzustehen, ein Tiramisu, dafür zu sorgen, dass die Pommes Chips im Rucksack nicht kaputt gehen. Fortschritt ist Glück. Eine Waschmaschine, die man nicht teilen muss. Lachende Gesichter im Publikum sind Glück. Und manchmal reicht schon ein kleiner, bescheidener Applaus.



Wobei der Applaus im Johanneum alles andere als bescheiden war. Die Begeisterung jedenfalls war gross. Wir danken allen für die Teilnahme an der 110. Generalversammlung des Quartiervereins.  



Text: Céline Büchel

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