Jakob Zahner: Berufsoptimist, Unternehmer und Familienmensch
- Quartierverein Wiedikon

- 9. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Im August 2025 ist im Gesundheitszentrum Laubegg Jakob Zahner verstorben. Ein Architekt, der von sich sagte, er sei ein «Ur-Zürcher, der keine Sekunde aus Zürich weggekommen ist, obwohl ich die ganze Welt gesehen habe». Doch eigentlich ist «Jack», wie er ein Leben lang genannt wurde, auch ein Ur-Wiediker – aufgewachsen im Kreis 3 und verstorben im Kreis 3. Die Gesundheitszentren der Stadt Zürich haben kurz vor seinem Tod ein Interview mit ihm geführt und veröffentlichten nun seine Geschichte im November in einem eindrücklichen Online-Artikel zusammen mit einem sechsminütigen Video. Darauf stützen sich die folgenden Ausführungen ab.


Jakob Zahner wurde 1935 in der Stadt Zürich geboren und ging während der Kriegszeit zur Schule, wo er von Lehrpersonen unterrichtet wurde, die mit 70 aus der Pension zurückgeholt worden waren. «Wir waren bis zu 40 Kinder in meiner Klasse und mussten auf dem Fenstersims sitzen.» Nachdem er das Gymnasium aus familiären Gründen abbrechen musste, absolvierte er eine Lehre als Hochbauzeichner und studierte nach der Rekrutenschule berufsbegleitend am Abendtechnikum. «Danach war ich stolzer Hochbautechniker, wie das früher hiess. Heute wäre es wohl Architekt HTL.»

Der Architekt reiste viel in der Welt herum (Foto 1985)
Zahner arbeitete in verschiedenen Architekturbüros und Generalunternehmungen, wo er erst technischer Leiter, dann Geschäftsführer wurde. Später gründete er mit einem Kollegen eine eigene Firma, die HBZ Hausbau Zürich AG. «Mit diesem Unternehmen bin ich dann so richtig in Fahrt gekommen», strahlt er. Da er selbst im Friesenberg aufgewachsen sei und eine tolle Familie gehabt habe, wollte er die Vorteile von Reihenhäusern auch anderen ermöglichen. Das sei ihm gelungen. «Ich habe keine Verrücktheiten gebaut, sondern ein Zuhause für den Familienvater mit drei Kindern – es konnten auch vier oder zwei Kinder sein. Und das zu einem Preis, den sich auch ein guter Arbeiter leisten konnte.» Das Dörfli in Dietikon – ein 35 Millionen-Projekt – war das Grösste, was er je gebaut hat.
Sein Leben habe aus zwei wichtigen Teilen bestanden, sagt Jack: Familie und Beruf. Seine Frau Klara sei das Beste gewesen, was ihm je passiert sei. Er habe eine fantastische Ehe gehabt und eine «muntere Bande» als Familie: drei Kinder, neun Enkel, sechs Urenkel. Geheiratet habe er mit 25 Jahren, mit 26 kamen die Tochter, danach die beiden Söhne zur Welt. Er habe das Glück gehabt, dass seine Frau ihm immer den Rücken freigehalten und die Kinder wunderbar erzogen habe, sodass er Karriere machen konnte: «Sie hat mich stets unterstützt und wenn nötig auch gebremst. Sie gab mir Bodenhaftung, denn ich neigte schon ein bisschen zu Extremen.»
Nachdem er sich mit gut 60 Jahren entschieden hatte, seine Firma aufzugeben, habe er endlich Zeit gehabt, um mit seiner Frau richtig «abzuhauen»: zum Beispiel viermal den ganzen Winter über nach Australien. Sie hätten den Indischen Ozean geliebt und seien 16mal auf den Seychellen und mindestens 14mal auf den Malediven gewesen, daneben auf Mauritius und auf den Lakadiven. «Wir konnten nicht genug bekommen vom Reisen, waren wochen- und monatelang zusammen: im Flugzeug, im Auto, im Hotel, im Motel – immer auf Tuchfühlung. Es passte einfach mit uns», schwärmt der 90-Jährige im Gespräch mit einer Mitarbeiterin des Gesundheitszentrums. Leider starb seine Frau vor einem Jahr an Altersschwäche und Demenz. «Das hat mich komplett umgehauen. Ich hatte danach das Broken-Heart-Syndrom. Ich, der grosse Hero, der beruflich immer eine grosse Klappe hatte, war plötzlich winzig klein», gibt Jack zu.


Ohne seine Frau wollte Jakob Zahner nicht mehr in der schönen Attikawohnung bleiben. Er zog im Gesundheitszentrum Laubegg im Friesenberg ein, was ein kompletter Neuanfang war. Aber auch die logische Wahl, denn es liege im Quartier, in dem er seit jeher verwurzelt sei. Man habe ihm die schöne Wohnung im achten Stock gezeigt, die er dann bekommen habe. «Ich bin also mein ganzes Leben im Kreis 3 geblieben. Verrückt», sinniert er.
Lesen Sie hier den ganzen Text über Jakob Zahner, den wir mit freundlicher Genehmigung der Familie wiedergeben.
Schauen Sie hier das Video mit Jakob Zahner auf YouTube.



