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Historische Fotos von Wiedikon

  • Mitarbeiter des KITQV Support
  • 4. Sept. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Apr.

Das Ortsmuseum Wiedikon (OM), mit dem der Quartierverein seit vielen Jahren zusammenarbeitet, hat eine ausserordentlich wertvolle Sammlung alter Fotografien, Bilder und Postkarten aufgebaut. Im Jahr 2023 übergab das Ortsmuseum diesen Bestand dem Baugeschichtlichen Archiv der Stadt Zürich (BAZ) zur Digitalisierung und Erhaltung. «Die Fotoalben zeigen die Entwicklung des Zürcher Stadtquartiers zwischen 1880 und 1970 auf eindrückliche Weise», schreibt das BAZ dazu.

Das Fotoarchiv ist nach Strassennamen, Plätzen, einzelnen Gebäuden und Ortsteilen geordnet und mit Kartenausschnitten versehen. Viele Bilder stammen aus Schenkungen von Einzelpersonen aus dem Quartier, von Mitgliedern des Ortsmuseums, des Quartiervereins und der Zunft zu Wiedikon. Aufgearbeitet wurde die Sammlung vor allem vom langjährigen Präsidenten des OM und QV-Mitglied Ronald Schmid (1950-2025), der mit dem kundigen Blick des Architekten Auswahl, Ästhetik und Bildgestaltung fachmännisch beurteilen konnte. Leider wird diese Vorarbeit im öffentlich zugänglichen Teil der BAZ-Sammlung nicht erwähnt. Der Quartierverein hat Ronald Schmid, der im Februar 2025 verstorben ist, vor anderthalb Jahren ein kleines Porträt gewidmet: «Der Mister Ortsmuseum»

Wir publizieren hier mit freundlicher Bewilligung des Ortsmuseums zehn historische Bilder aus rund 600 Fotos im BAZ, teilweise ergänzt mit Informationen aus dem OM-Bestand. Sie zeigen, wie stark sich das ehemalige Bauerndorf in den letzten 130 Jahren verändert hat. Aber auch was bei Strassen, Gebäuden und Plätzen gleichgeblieben ist. Die Fotografen oder Fotografinnen all dieser Bilder sind leider nicht bekannt.

Abbruch der alten Sihlhölzlibrücke über die Sihl, Weststrasse 2, im Jahr 1922 – vor der Tieferlegung der Bahnlinie Wiedikon–Enge. Man beachte, wie Baustellenfotos sehr oft gestellt wurden: Arbeiter sitzen oder stehen kühn auf schmalen Stahlträgern; auf einem behelfsmässigen Brett über den Fluss links unten steht eine Dame. Wer ist sie, was hat sie mit dem Abbruch der Brücke zu tun?

Speisewirtschaft Sonnenzeit, Uetlibergstrasse 2 um 1880. An diesem ländlich wirkenden Ort ist später ein Wiediker Verkehrsknotenpunkt, der Manesseplatz, entstanden. Anstelle des Hauses auf dem Hügel steht heute die achtstöckige Überbauung der Zürich Versicherung zwischen Austrasse und Bahnhof Binz.

Kollergut, Schlossgasse, an der gleichnamigen Wiese, Zeit unbekannt (vermutlich vor dem Ersten Weltkrieg). Etwas weiter oben mündet die Schlossgasse in die Bühlstrasse, die zur 1896 erbauten Bühlkirche führt.

Wiedingstrasse oberhalb der Kollerwiese, ca. 1915. Rechts in der Mitte ist das Dachgeschoss des Kollerguts erkennbar. Die meisten herrschaftlichen Häuser an der Wiedingstrasse sind bis heute erhalten.

Ein legendärer Treffpunkt war bis zu seinem Abbruch im Jahr 1970 das Restaurant Schlössli am Ende der Zweierstrasse. Dahinter das Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Primarschulhaus Bühl. Es prägt bis heute zusammen mit der Kirche Bühl und den Wieding-Häusern die Skyline des Rebhügels in Alt-Wiedikon. Im Restaurant Schlössli, erzählt man sich im Quartierverein, habe es an Abenden, an denen Stadtrat und Polizeivorstand Albert Sieber (1901-1974, wohnhaft an der Wiedingstrasse) am Stammtisch sein Feierabendbier trank, keine Polizeistunde gegeben.

Das Gotthelf-Schulhaus, hier in einer Aufnahme von 1920, hat seinen Namen von der gleichnamigen an ihm vorbeiführenden Strasse. Aber nicht weil Jeremias Gotthelf jemals dort gelehrt oder gelebt hätte. Der grosse Berner Pfarrer, Dichter und Schulpolitiker hatte keinen nachweisbaren Bezug zum Quartier Wiedikon.

Schneefall auf dem Idaplatz, am 3. April 1919. Auch dieser Platz besteht mitsamt den umliegenden Häuserzeilen – hier mit Blick auf die Kreuzung Berta-/Zurlindenstrasse – praktisch unverändert bis heute.

Eine deutlich ältere Foto, entstanden 1890, zeigt den Eisgang auf der Sihl. Menschen posieren, manche mit Hut und Spazierstock, ohne Handschuhe, aber mit Stolz für den Fotografen. Sozusagen die Wiediker Sihlgfrörni.

An der Schmiede Wiedikon lag ein Restaurant, das nach seiner Renovation im Jahr 1925 in neuem Glanz erstrahlte. Die Achse vom Stauffacher zum Goldbrunnenplatz war vor 100 Jahren noch wenig befahren: die Tramgeleise folgten der Birmensdorferstrasse wie heute. Vor den ersten Autos und Mofas dominierten Fussgängerinnen, Passanten und Velofahrer den öffentlichen Raum.

Ein Jahrhundertereignis war in Wiedikon die Tieferlegung der Eisenbahn in den Jahren 1925-1927. Für den neuen Gleiseinschnitt werden Stützmauern gebaut, zwischen Zweier- und Birmensdorferstrasse entsteht der neue Sattelbahnhof Wiedikon. Foto aus dem Jahr 1925.

Mehr zum Ortsmuseum: www.ortsmuseum-wiedikon.ch

Mehr zu Wiediker Fotos im BAZ: baz.e-pics.ethz.ch/#main-search-text=wiedikon&main-search-mode=and&1546945125054_0

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