Sicherlich sind Ihnen die «Gelbwesten» (Gilets jaunes) aus Frankreich ein Begriff. Aber kennen Sie die Gelbwesten aus Wiedikon? Zugegeben, sie haben ein völlig anderes Image, eine andere Aufgabe, eine andere Bedeutung. Heizten die französischen «Gilets jaunes» der Regierung Macron die letzten Jahre kräftig ein, sagen Gelbwesten aus dem Kreis 3 Abfallsündern den Kampf an. Sie nennen sich offiziell Raumpaten und sind mit Entsorgung & Recycling Zürich (ERZ) einen Pakt eingegangen. Die Vereinbarung wurde vor einem Jahr, Ende August 2024, abgeschlossen. Im Jahr 2023 hat der Quartierverein einen kleinen Film produziert, der auf unserer Homepage abrufbar ist. Susanna, Cornelia und Verena sind keine Wiediker Cervelat-Prominente, wohl aber die echten Heldinnen im Quartier. Wir alle sind stolz auf sie. Also besuchen wir Ende August unsere «Gelbwesten» auf ihrer samstäglichen Tour. Neben Maria sind diesmal Christian Schwitter, Brigitte Pfiffner und Jeanne Rasata dabei. Warum tut Ihr das? «Es stört mich,» sagt Christian, «wenn ich solchen Schmutz sehe.» Er wohnt ganz in der Nähe, in der Wuhrstrasse, und will den Dreck nicht einfach übersehen. Brigitte, eine langjährige Juristin, ergänzt: «Das hier ist keine Kopf-, sondern Handarbeit. Vielleicht kann ich dazu beitragen, dass Kinder keine Zigarettenstummel mehr vorfinden und in den Mund stecken.» Zigarettenstummel sind eine ganz besondere Plage. Deswegen klebt Maria fast jedes Mal einen Zettel auf Sitzbänke mit nützlichen Infos: In Zigistummeln enthaltenes Mikroplastik löse sich in der Natur erst nach 1'000 Jahren auf. Jede Raumpatin zieht in eine andere Richtung. Eine sucht die Sträucher und die Spielgeräte auf dem Spielplatz ab, ein anderer widmet sich der Fussballwiese hinter den Schulcontainern, eine dritte läuft die Zurlindenstrasse bis zur Bushaltestelle Hertersteg. Und Jeanne bearbeitet den Aegerten-Platz bis zum Café Salon Salut. Sie ist jene, die ihren Radius am meisten ausweitet – bis zu den Baumrabatten an der Birmensdorferstrasse und vor der Migros am Schmiedeplatz. Sie werde auch häufig angesprochen, sagt Jeanne: «Die Leute nehmen uns war, machen uns Komplimente und loben unseren Einsatz.» Noch nie habe sie ein negatives Urteil vernommen. Als wir eine unbekannte Frau, die mit ihrer Freundin und einem spielenden Kind hier ist, auf die Raumpatinnen ansprechen, sagt sie: «Das finde ich mega gut.» Sie ist erstaunt zu hören, dass es eine Aktion des Quartiervereins sei. Bei diesem sei sie ebenfalls Mitglied. Auch sie ist eine unmittelbare Anwohnerin. Jemand anders bemerkt, es gebe noch viele Plätze, Parks und Strassen, wo der Quartierverein reinigen sollte: «Zum Beispiel beim kleinen Teich gleich neben der Sihlhölzli Sportanlage.» Ja, sagt Maria, bis Ende 2025 werde man sicher weitermachen. Danach sehe man weiter.