«Es ist schön, hier alt zu werden»
- Mitarbeiter des KITQV Support
- 6. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 29. Apr.






Zweimal hat die Fachstelle Zürich im Alter eine Quartierbegehung im Kreis 3 durchgeführt. Am 4. Juli haben im Friesenberg und in Alt-Wiedikon rund 60 Personen, Anwohnerinnen und Anwohner, teilgenommen. Am 12. September waren es rund 40 im Quartier Sihlfeld. Mitgewirkt haben neben dem organisierenden Gesundheits- und Umweltdepartement (GUD) verschiedene Verwaltungszweige, Organisationen aus dem Quartier (Alterszentren, Pflegeeinrichtungen, Nachbarschaftshilfe) sowie der Quartierverein Wiedikon. Es ging darum festzustellen, wo und was im Quartier für Seniorinnen und Senioren verbessert werden kann.
QV-Vorstandsmitglied Céline Büchel, die im Friesenberg als Begleiterin und im Sihlfeld als Moderatorin dabei war, zieht ein klares Fazit: «Bei beiden Quartierbegehungen ist mir aufgefallen, wie zufrieden die Bewohner im Kreis 3 sind. Es wurde zwar durchaus engagiert diskutiert, aber zwischendurch kamen einige zu mir und meinten lachend: «Eigentlich jammern wir hier auf hohem Niveau.» Mehr dazu weiter unten.
Interessant sind vorab die Unterschiede der altersmässigen Zusammensetzung der drei Quartiere. Während in der Stadt Zürich die Altersgruppe der 65- bis 79-jährigen Bewohner 9,4 % (41'972) der Gesamtbevölkerung ausmacht, sind es im Friesenberg 10,6 % (1'185), in Alt-Wiedikon 7,0 % (1’308) und im Sihlfeld 7,7 % (1678). Die über 80-Jährigen machen in der Stadtbevölkerung noch 4,5 % (20'212) der Bevölkerung aus, im Friesenberg 5,1 % (569), in Alt-Wiedikon 2,9 % (533) und im Sihlfeld 3,6 % (779). Oder anders formuliert: Im Friesenberg machen Seniorinnen und Senioren über 65 insgesamt 15,7 Prozent der Bewohner aus, während es im Sihlfeld bloss 11,3 Prozent und in Alt-Wiedikon gar nur 9,9 Prozent sind.
Und eine letzte Zahl: Bei den über 80-Jährigen macht der Frauenanteil rund 60 bis 67 Prozent aus. Männer sterben früher – was für Zürich und die ganze Schweiz gilt, trifft auch für den Kreis 3 zu. Für das Gebiet Sihlfeld hat Statistik Stadt Zürich basierend auf Daten von 2024 zusätzlich eine Feinauswertung in Prosa geliefert. Sie ist so interessant, dass wir sie unseren Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten möchten: «Zahlenmässig am meisten ältere Menschen leben in der Gegend der Schaufelbergerstrasse, am wenigsten rund um den Bahnhof Wiedikon und in Richtung Sihlhölzli. Statistisch ersichtlich ist auch der sehr tiefe Anteil an Menschen über 80 Jahren rund um die Fritschiwiese, den Idaplatz sowie das Sihlhölzli.»
Positiv erwähnt wurden die Nähe zur Natur, die vielen Grünflächen und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Mit der Wohnsituation zeigen sich die meisten sehr zufrieden, ebenso mit Einkaufsmöglichkeiten und der ärztlichen Versorgung. Zu sozialen Kontakten und Freizeit gebe es viele Angebote: «Man muss nur hingehen und mitmachen.» Die Altersarbeit der Landeskirchen und der Familienheimgenossenschaft werden ebenfalls hochgeschätzt.
Als Ärgernis empfingen Viele E-Scooter und E-Trottinetts, die häufig achtlos abgestellt und im Weg stehen. Das gleiche gelte für öffentlich deponierten Hausrat «zum Mitnehmen». Kritisiert wurde auch, dass sich viele Velofahrer nicht an die Verkehrsregeln hielten. Vermisst werden eine Jassgruppe für Senioren, ein Treffpunkt im Brunaupark oder ein zentraler Ort für die Informationsbeschaffung im Quartier. Die Teilnehmenden machten zahlreiche Vorschläge, die nun von der Stadtverwaltung geprüft werden, wie GUD-Vorsteher Andreas Hauri in seinem Grusswort schreibt.
Bezüglich Parks und Grünflächen fühlen sich auch Sihlfeld-Bewohner vor allem mit dem Friedhof Sihlfeld und dem Triemlifussweg verwöhnt. Allerdings «sollte der von Vielen benutzte Friedhof Sihlfeld mit dem nötigen Respekt behandelt werden.» Ähnlich positiv beurteilt wurden auch die Wohn- und Einkaufssituation. Mittagstische, Turnstunden und weitere Angebote auch des Quartiervereins werden rege genutzt.
Die Ärgernisse im Sihlfeld sind fast identisch mit jenen im Friesenberg und in Alt-Wiedikon: rücksichtslose Velo- und E-Trottinett-Fahrer, wild abgestellte Gegenstände «zum Mitnehmen», ruppige Fahrweise einzelner Busfahrer. Bemängelt wird auch das Fehlen einer Quartierzeitung. Wenn jemand mehr soziale Kontakte pflegen wolle, solle er Freiwilligenarbeit leisten, wurde gesagt. Als Quartierverein können wir das nur lebhaft unterstützen.
Die Auswertungsbroschüre kann bestellt werden bei Fachstelle Zürich im Alter, Postfach 16, 8032 Zürich.



