Erstes, aber nicht einmaliges Wiediker Herbstreffen

Aktualisiert: 27. Aug.

Das Restaurant Falken bekränzt mit Wiediker Fahnen – was ist da los?

Die Zunft zu Wiedikon und der Quartierverein Wiedikon laden am 13. September 2025 um die Mittagszeit Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers, Zünfter und Angehörige sowie Gäste zum ersten Wiediker Herbsttreffen ein. Die Veranstaltung soll den Austausch zwischen dem Quartier und der Zunft vertiefen und die Verbundenheit stärken.
Die beiden Organisationen haben mit ca. 50 Personen gerechnet, aber es kamen über 100. Dass die Gratisabgabe von Würsten und Getränke mithalf, ist unbestritten. Aber neben brutzelnden Wiedikerli der Metzgerei Keller gab es auch die Möglichkeit, mit Parlamentariern aus sechs verschiedenen Parteien ins Gespräch zu kommen.

Um elf Uhr trafen die ersten Gäste ein, quer durch alle Generationen. Während die ersten Bratwürste verzehrt wurden, fragte man sich, ob noch eine Rede folgen würde – und ob die Politprominenz schon da sei. Um Viertel nach elf rief Präsident Urs Rauber vom Quartierverein von der Falkentreppe aus: «Bitte alle in den Saal, zwei Ansprachen stehen bevor.»
Nachdem alle ihren Platz gefunden hatten, ergriff Urs Rauber das Wort. Er hiess die zahlreichen Gäste herzlich willkommen, freute sich über die grosse Resonanz und begrüsste namentlich die 12 anwesenden Politikerinnen und Politiker.

Vom Kantonsrat waren da: Mandy Abou Shoak (SP), Sibylle Marti (SP), Angie Romero (FDP), Roland Scheck (SVP) und Josef Widler (Mitte). Den Gemeinderat repräsentierten Flurin Capaul (FDP), Markus Haselbach (Mitte), Beat Oberholzer (GLP), Derek Richter (SVP), Urs-Riklin (Grüne), Anna-Béatrice Schmaltz (Grüne) und Marita Verbali (FDP). Ein beeindruckender Aufmarsch: «Das bringt nur der Quartierverein zustande», sagte Urs Rauber und lobte die Zusammenarbeit mit der Zunft.
Zunftmeister Michael Imhof, der seit zwei Jahren an der Spitze der Zunft steht, dankte insbesondere Marcel Meisterhans, der für Idee und Umsetzung des Anlasses verantwortlich war. Er hob hervor, dass es bei diesem Anlass vor um Begegnung, Austausch sowie die Pflege von Geselligkeit und Freundschaft gehe. Er lud die Anwesenden ein, den Becher zu erheben – auf die Verbindung zwischen Quartierverein und Zunft, auf die Stadt Zürich und auf das schönste Quartier der Stadt: «Wiedikon lebe hoch! Hoch! Hoch – zum Wohl!»

Mit seiner launigen Bemerkung – «Bi ois git’s gratis Wurscht und Bier, und bim Albisgüetli gasch mit dickem Portmonnaie ane und mit dickem Ranze wieder hei» – spielte der Zunftmeister augenzwinkernd auf das Knabenschiessen an. So stellten sich manche Gäste die Frage, ob das erste Wiediker Herbsttreffen womöglich als Konkurrenzveranstaltung gedacht sei. Doch das war keineswegs die Absicht – vielmehr könnten sich die beiden Anlässe sogar gegenseitig beflügeln. Schliesslich liegt das Herbsttreffen auf direktem Weg zum Knabenschiessen.
Für einen besonderen musikalischen Akzent nach den Reden sorgte Zünfter Tony Hrnek am Klavier mit dem Sächsilüüte-Marsch.

Nun richtet sich der Blick auf die Politiker-Tische. Für die beiden SP-Kantonsrätinnen Mandy Abou Shoak und Sibylle Marti standen Neugier und auch Nostalgie im Vordergrund. Sibylle Marti hatte früher in der Nähe der Schmiede Wiedikon gewohnt, bevor sie im Zusammenhang mit einer Familiengründung im Kreis 9 eine neue Wohnung fand (Stichwort Gentrifizierung). Im Gespräch wurde zudem deutlich, dass der Kreis 3 grösser ist, als er oft scheint und dass man für gewisse Wege schon ein bis zwei Mal umsteigen müsse. E-Trottinette stossen bei ihnen dabei nicht unbedingt auf Sympathie.
Auch bei der SVP scheint die Wohnungsnot ein bewegendes Thema zu sein. So berichtete Gemeinderat Derek Richter, dass es auch Käufer von Immobilien vom Kreis 3 in den Kreis 11 ziehe. Zusätzlich bedankt er sich für den innovativen Event mit Potenzial und meinte, er würde sehr gerne bei nächster Gelegenheit wieder kommen.

Mehr und mehr fasste die Wiediker Bevölkerung Mut und nutzte die Gelegenheit, den politischen Vertretungen mitzuteilen, wo der Schuh drückt. So berichtete Gemeinderätin Anna-Béatrice Schmaltz (Grüne), sie habe das Feedback erhalten, das 9er-Tram solle bis zum Triemli und nicht nur bis ins Heuried fahren. Sie zeigte sich erfreut, dass durch dieses Gespräch ein echter Wissensaustausch entstand – und zwar beidseitig.
Auch die Mitte sowie die FDP waren vertreten – und dies gleich mit Persönlichkeiten, die mehrere Hüte tragen. So etwa Josef Widler, der sowohl Mitte Kantonsrat wie auch Vorstandsmitglied des Quartiervereins Wiedikon ist. Ebenso Flurin Capaul, der nicht nur politisch als Gemeinderat und im Quartiervereinsvorstand aktiv ist, sondern zudem auch als Zunftinteressent gilt.

Trotz mancher Differenzen – sei es rund um den Sihlfeld-Friedhof, die Konzernverantwortungs-Initiative oder das Netto-Null-Projekt in Alt-Wiedikon – war man sich neben vielem anderen in einem Punkt einig: Wir alle schätzen Wiedikon und wollen, dass es auch künftig ein Trendquartier bleibt. Und wir sind überzeugt davon, dass ein Wiediker Herbsttreffen dazu beitragen kann, zusammenzukommen und gemeinsam die besten Lösungen zu finden. Umso erfreulicher ist es, dass wir mit diesem ersten Wiediker Herbsttreffen offenbar den richtigen Ton getroffen haben. Der Name deutet schon an, dass es eine Fortsetzung geben soll. Nach dem gelungenen Auftakt ist es keine Frage, dass dies bald der Fall sein wird.

Text: Céline Büchel
Fotos: Quartierverein Wiedikon



