Der Quartierverein Wiedikon legt viel Wert darauf, den Quartiergeist und die einzigartige Identität des Quartiers zu pflegen. Und auch den sozialen Zusammenhalt des Quartiers zu fördern, in diesem Sinne organisiert er jährlich die Feier zum 1. August. Dieses Jahr hätte man davon ausgehen können, dass das Fest aus Versehen am 8. November stattfindet – am Tag, der in der Mitte des 16. Jahrhunderts für das Datum des Rütlischwurs gehalten wurde. Wie oft im Herbst schien der Himmel aus Blei, und die von zum Teil wolkenbruchartigen Regenschauern herrührende kalte Nässe prägte die Feierlichkeiten vom Start am Nachmittag bis in den späten Abend hinein. Aus Erfahrung wissen wir, dass das Wetter eine entscheidende Rolle auf die Stimmung und die Besucherzahl der Veranstaltung ausüben kann. Trotz suboptimaler Zustände haben sich Vorstand, Helferinnen und Helfer unverzagt der Aufgabe gestellt: Tische und Bänke wurden, soweit es geht, unter den Überbau der Migros an der Schmiede-Wiedikon, wo das Fest wie üblich stattfindet, gerückt. Tische und Bänke, die der Witterung ausgesetzt waren, wurden bei jeder Unterbrechung des Regens so schnell wie möglich abgewischt und getrocknet. Und wir haben uns noch mehr als sonst auf das Talent des Live-Musikers und Alleinunterhalters Meiri verlassen. Zum Glück war er auch dieses Jahr der Garant für die bestmögliche Stimmung. Die Feierlichkeiten begannen pünktlich um 17.00 Uhr. Zu der Zeit waren die Plätze «am Schärme» schon ziemlich gut besetzt. Es herrschte grosser Andrang an den Theken, wo viele Feiernde dabei waren, sich mit Speisen und Getränk einzudecken. Die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Befragte Teilnehmerinnen und Teilnehmer nannten viele Gründe, warum sie gekommen sind: um Zeit mit Freunden zu verbringen; wegen der traditionell tollen Stimmung; weil es das Beste sei, was man an diesem Tag unternehmen könne; wegen des Essens und Trinkens; weil es eine gute Gelegenheit sei, unter Leuten zu kommen, die man sonst nicht sieht. Oder einfach, weil es das Mindeste sei, was man als guter Staatsbürger an diesem Tag tun könne. Zwei Stunden ging es so weiter, mit Anstossen und freudigem Plaudern, bis 19.00 Uhr, als Urs Rauber, Präsident des Quartiervereins, die Festrednerin zum Geburtstag der Schweiz ankündigte. Kurz stellte er die prominente Politikerin vor: Dr. med. Bettina Balmer, Fachärztin für Kinderchirurgie, Zürcher Nationalrätin und Präsidentin der FDP Frauen Schweiz und überliess ihr das Pult. Die Festrede mit dem gemeinsamen Singen des Schweizerpsalms ist ein sehr wichtiger Teil des Anlasses, weil das Fest sonst nur eine Party wäre. Zweifellos eine freudige Begebenheit, aber ohne das Gewicht, das am besten ein Fest mit Bedeutung bereichern und die Anwesenden gemeinsam zum Nachdenken anregen kann. Nach ein paar technischen Einstellungen des Mikrofons der Rednerin schwiegen alle und hörten konzentriert zu. Danach konzentrierten sich die meisten dagebliebenen Wiedikerinnen und Wiediker auf ihren Schlummertrunk in geselliger Runde. Andere konnten ob der beschwingten Partymusik nicht mehr sitzen bleiben und tanzten zum Teil ausgelassen bis zum Schluss um 23 Uhr. Alles in allem ein wieder gelungener Abend für das Quartier und seinen Verein.