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1. August: Wir feiern die Schweiz, Zürich, und Wiedikon

Jeanne Rasata
7. Aug.
4 Min. Lesezeit

Heimat isch kein Ort, Heimat isch das einmalige Gefühl, zunere Gmeinschaft dezue z’ghöre. Und ich han’s grosse Glück gha, genau das da z’Wiedike dörfe z’erläbe. Da defür bin ich glücklich und dankbar. Und wänn ich mit Stolz uf euse Nachwuchs luege, dänn isch mini Hoffnig und Zueversicht gross, dass au die kommende Generatione da in Wiedike werded e Heimat finde.

— Michael Imhof, Zunftmeister der Zunft zu Wiedikon


Am ersten Tag in August, es ist in Wiedikon immer wieder dasselbe: Der Quartierverein Wiedikon organisiert und bewirtet die 1.-August-Feier an der Schmiede Wiedikon. Vom späten Nachmittag bis spät in die Nacht trifft sich die Öffentlichkeit an dieser Kreuzung, um mit einer Rede und mit Musik (von dem grossartigen und vollkommen unentbehrlichen Live-Musiker Meiri unterhalten zu werden) und Essen und Trinken Gemeinschaft zu erleben und die Schweiz auf hyperlokale Ebene zu feiern.


Es ist jedes Jahr immer wieder dasselbe — und zum Glück! In einer Welt wo es, vor allem in letzter Zeit, immer vermehrt vorkommt, dass Änderungen die einzige Konstante ist, wo die bewusste Pflege einer eigenständigen Tradition ein grosser Trost ist. Tradition verbindet uns zueinander, mindert unsere Ängstlichkeit angesichts einer rasch wandelnden Welt, und erinnert uns an unsere Werte. Im Wirbel des Jahres ist sie ein zuverlässiger Anker.


Die Veranstaltung ist unter sehr guten Wetterbedingungen abgelaufen. Es ist zwar am Anfang sehr heiss gewesen, aber im Gegensatz zum letzten Jahr, als es geregnet hat, hatten wir am Samstag strahlende Sonne, aber gesamthaft etwa gleich viele Teilnehmer. Bei der Festansprache, dem Höhepunkt des Anlasses, waren es über hundert Personen und am späteren Abend immer noch weit über sechzig Besucher, die zusammen feierten.



Langjähriges QV-Mitglied Marianne Bachmann
Langjähriges QV-Mitglied Marianne Bachmann

Wie üblich hat die Kerngruppe durch Mitsingen, Tanzen, und lebhafte Gespräche immer für eine festliche Stimmung gesorgt, sogar als wir schon dabei waren, aufzuräumen und die Bänke zusammen zu klappen. Ein anderes Zeichen des Erfolgs des Abends, ist die Tatsache, dass wir elf neue Mitglieder gewonnen haben. Dass eins davon nicht mal in Wiedikon wohnhaft ist, ist für uns das grösste Kompliment.



Es ist jedes Jahr immer wieder dasselbe. Aber auch doch nicht ganz. Dieses Jahr war eine für uns grosse Änderung im Vorfeld und in den Kulissen zu spüren: Roland «Roli» Scheck, der ehemalige Quartiervereins-Vizepräsident, der achtzehn Jahre lang für die 1.-August-Feier zuständig war, ist seit Anfang des Jahres nicht mehr im Vorstand. Es ist immer besorgniserregend, wenn ein pflichtbewusster und pflegeleichter Mitarbeiter, der viel Verantwortung hatte, austritt, und in dem Fall besonders so, weil nicht jeder gleichzeitig bereit und in der Lage wäre, sich mit den ganzen erforderlichen Bewilligungen und Bürokratie zu befassen, alle notwendigen Bestellungen und Vorbereitungen zu treffen, und die komplexe Logistik und Koordination durchzuziehen. Aber in dem Fall waren diese zwar berechtigten Sorgen unbegründet, weil Niyazi Erdem, unterstützt von Andreas Wäfler, eine gelungene Planung hervorragend und souverän gemacht hat. Es war erfreulich festzustellen, dass wir — und vor allem sie — so gut in der Lage waren, die Bürde selbst zu tragen.


Fleissige Helfer beim Aufbauen — Links: Die QV-Vorstände Niyazi Erdem (l) und Andreas Wäfler (r) | Mitte: Andreas Wäfler (l), Andreas Schenzle (m) und Niyazi Erdem (r) | Rechts: Andreas Wäfler (l), Manfred Schiegg (m) und QV-Präsident Sepp Widler


Irgendetwas stimmt da nicht.
Irgendetwas stimmt da nicht.

Auch immer wieder erfreulich war auch, festzustellen, dass, weil wir in einem so kollegialen Umfeld arbeiten, wir mit kurzfristigen Änderungen gut umgehen konnten. Das wurde mehrmals vor allem an dem Tag der Veranstaltung ersichtlich: ein Helfer ist im letzten Moment ausgefallen oder kann erst später anfangen? Kein Problem; einer meldet sich freiwillig, um die Schicht zu übernehmen oder die eigene Schicht zu verlängern.


Alles wieder im Lot.
Alles wieder im Lot.

Fehlt etwas, oder etwas ist ausgefallen, oder (nur als Beispiel) die Fahnen sind so gestaltet, um an einer Fahnenstange aufgehängt zu werden und nicht wie hier horizontal an einer Leine. Aber alle, die anwesend sind, beschäftigen sich mit der Angelegenheit, um sie in korrekter Lage zu platzieren. An unserer 1.-August-Feier mitzuhelfen ist das Beste von Mitarbeit und Gemeinschaft zu erleben.


QV-Präsident Sepp Widler mit Michael Imhof, dem diesjährigen Redner und Zunftmeister der Zunft zu Wiedikon
QV-Präsident Sepp Widler mit Michael Imhof, dem diesjährigen Redner und Zunftmeister der Zunft zu Wiedikon

Und diesem Thema ist unser diesjähriger Ehrengast Michael Imhof, der Zunftmeister der Zunft zu Wiedikon, nachgegangen. Auf die üblichen 1.-August-Themen wie Freiheit, Demokratie, und Föderalismus hat er verzichtet, um auf etwas, das uns auf einer intimeren Ebene verbindet fokussiert und seine Rede dynamisch mit einer sehr zum Nachdenken anregenden Frage — "Was bedütet für eu Heimat?" — angefangen. Diese beantwortete er dann selbst, durch eine Schilderung seiner lebenslangen Verbindung zu Wiedikon:


Ein Grossvater, der eine Apotheke in Wiedikon hatte, der auch Wiediker "Zouftmeister" gewesen ist, und der seinen Nachkommen eine starke Verbindung zu Wiedikon vererbt hat. Ein Vermächtnis, das das ganze Leben von Michael Imhof geprägt hat: die jährliche Teilnahme am Sechseläuten, eine Arbeit als Kellner in Wiedikon im Teenagealter, seine Zeit bei der Kantonsschule Wiedikon, seine Stammkundenschaft im Falken an der Schmiede Wiedikon, seine Zeit als Fussballer mit dem FC Wiedikon. Und das, obwohl er nie im Kreis 3 gewohnt hat:


Heimat läbt vo Mänsche, wo nöd eifach zuelueged, sondern mitapacked, wo sich ibringed, wo fürenand istönd und Sorg träged zu ihrere Gmeinschaft. Grad imene Stadtquartier wie Wiedike isch das bsunders guet sichtbar. [...] All die Verein händ öppis mitenand gmeinsam: Sie bringed Mänsche zäme, schaffed Begägnige zwüsched Generatione, zwüsched Altigsässne und Neuzuezüger, zwüsched Mänsche mit ganz unterschiedliche Läbensgschichte.


In Folge verrät er uns "s’Gheimnis vonere starke Gmeinschaft: Mer chan Heimat nöd eifach erbe oder gschänkt übercho — mer muess sich taglich neu derfür isetze."  Und das genau tun wir: Das 1.-August-Fest ist des Quartierverein Wiedikons grösste Veranstaltung des Jahres und erfüllt hervoragend unseren Vereinszweck, nach Art. 2 unserer Statuten, den Quartiergeist durch Veranstaltung für die Mitglieder und die Öffentlichkeit zu fördern und die Quartiertradition und die kulturellen Tätigkeiten im Quartier zu pflegen. Wir sind stolz darauf, auf diese Weise dass Gefühl von Gemeinschaft und Heimat für alle Einwohnerinnen und Einwohner der Nachbarschaft stärken zu können.


S’grosse Gmeinschaftsgfühl vo de Schwiiz fangt nämlich nöd i eusere Bundeshauptstadt a. Es fangt det a, wo Mänsche sich begägned, enand zuelosed und fürenand istönd. Es fangt da a – i eusne Quartier. Es fangt da a, in Wiedike.


Hier die komplette Rede von Michael Imhof zum Herunterladen:


Beitragstext: Jeanne Rasata

Bilder: Jeanne Rasata, Céline Büchel und Andreas Schenzle

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